EU-Aufseher rudern bei Provisionen zurück

Berater von Stefan Terliesner

ESMA kommt Banken und Fondsanbietern entgegen. Unter bestimmten Bedingungen dürfen Provisionen zur Finanzierung der Infrastruktur genutzt werden. Details aber immer noch unklar.

Erleichterung bei Banken und Fondsanbietern. Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) will bei den vorgeschlagenen Details zur provisionsbasierten Anlageberatung mit sich reden lassen. Dies ist bei der öffentlichen Anhörung zur Ausgestaltung der überarbeiteten EU-Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (Mifid II) in Paris deutlich geworden, berichtet die Börsen-Zeitung.

Die ESMA hatte jüngst ein Konsultationspapier über die technischen Standards der Mifid II vorgelegt, dass in Deutschland für Aufregung sorgte. procontra berichtete darüber. Denn die Anforderungen an die Zulässigkeit der provisionsbasierten Beratung schienen so hoch zu sein, dass die Branche befürchtete, sie kämen de facto einem Provisionsverbot gleich. Die Unruhe war auch deshalb so groß, weil zuvor EU-Kommission, EU-Rat und EU-Parlament ein Bekenntnis zur Provisionsberatung abgegeben hatten. Die ESMA will Beratern die Annahme von Provisionen unter anderem dann verbieten, wenn diese Einnahmen die Infrastruktur eines Finanzdienstleisters finanzieren. Laut Börsen-Zeitung bezahlen in der Praxis so gut wie alle deutschen Banken ihre Miete, IT und Personalkosten auch durch die Provisionseinnahmen.

Nun rudert die Behörde zurück: „Wenn die Provisionseinnahmen die Qualität der Beratung steigern, die Beratung künftig eine breitere Produktpalette und eine Nachberatung anbieten, dürfen sie diese auch weiterhin nutzen, um ihre Infrastruktur zu finanzieren“, schreibt die Börsen-Zeitung. So lange die ESMA aber nicht genau formuliert, wie sie ihre Vorschläge abschwächen will, wollten Branchenvertreter aber noch keine Entwarnung geben.

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