Schulterschluss zum Schutz der Sparer

Berater von Stefan Terliesner

Volksbanken, Sparkassen und Versicherer fordern Wende in der Geldpolitik. Weitere Zinssenkungen bestrafen vor allem Sparer. Refinanzierung von Staaten und Banken nicht Aufgabe der EZB.

Eine Art Lobby für Sparer formiert sich. In einer gemeinsamen Pressemitteilung im Vorfeld der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am 5. Juni warnen der Verband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) sowie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vor weiteren Zinssenkungen. Die Begründung: „Zusätzliche geldpolitische Lockerungen wären gefährlich für die Spar- und Stabilitätskultur.“

Deflation nicht erkennbar
Nach Ansicht der drei Verbände befindet sich der „Patient Europa“ auf einem langsamen, aber fortschreitenden Kurs der Besserung. Die von vielen Ökonomen für dieses und nächstes Jahr erwartete wirtschaftliche Erholung im Euro-Raum spreche klar gegen weitere geldpolitische Maßnahmen. Deflationsgefahren seien nicht erkennbar.

Statt weiterer Zinssenkungen plädieren die Verbände für eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit in Europa. Nur so komme die Kreditvergabe in wachstumsschwächeren Ländern wieder auf Touren. Die EZB solle sich nicht an Experimenten wie einem negativen Einlagenzins versuchen. „Ein in der EU noch nie dagewesener Strafzins würde die Kreditvergabe nicht beleben“, warnt BVR-Präsident Uwe Fröhlich. Er könne die Konditionen für Kreditnehmer sogar verschlechtern. „Die Medizin würde keine Wirkung zeigen. Die Risiken und Nebenwirkungen wären dagegen umso größer“, sagt Fröhlich. Eine Erleichterung der Refinanzierungsbedingungen für zu hoch verschuldete Staaten und Banken durch Niedrigzinsen sei nicht Aufgabe der EZB. Unwägbare Risiken sehen die Genossenschaftsbanken, Sparkassen und Versicherer auch in dem Versuch, durch geldpolitische Maßnahmen den Wechselkurs zu beeinflussen. Das gehöre ohnehin nicht zu den Aufgaben der EZB.

Niedrigzinspolitik beschädigt Altersvorsorge
Leidtragende der Politik der niedrigen Zinsen sind nach Auffassung der drei Verbände vor allem die Sparer. „Die anhaltende Niedrigzinspolitik beschädigt die dringend notwendige Altersvorsorge. Sie fördert Kapitalfehlleitungen, bepreist Risiken falsch und schafft gravierende Stabilitätsgefahren“, sagt DSGV-Präsident Georg Fahrenschon. Gerade die Menschen in Deutschland legten ihr Geld traditionell sicher an und litten daher besonders unter den Niedrigzinsen.

Die Verbände sehen mit Sorge, dass die Sparquote in Deutschland zurückgeht: „Die Menschen leben immer länger, doch die gesetzliche Rente leistet immer weniger. Deshalb muss gerade die junge und mittlere Generation vermehrt privat vorsorgen“, betont GDV-Präsident Alexander Erdland. Die lockere Geldpolitik setze gefährliche Fehlanreize: „Weniger Sparanstrengungen bei gleichzeitig niedrigen Zinsen reißen massive Lücken in der Altersversorgung künftiger Rentner“, warnt Erdland.

Umschalten auf Normalmodus
Die Verbände fordern die EZB zu einer behutsamen Wende in der Geldpolitik auf – weg vom Krisen- und hin zum Normalmodus. Zwar sei es in Zeiten der Finanzkrise richtig gewesen, die geldpolitischen Schleusen zu öffnen. „Doch je weiter wir die akute Krise hinter uns lassen, desto dringender wird es, langsam die Weichen für die Rückkehr zu einem geldpolitischen Normalzustand zu stellen, statt die Geldpolitik weiter zu lockern“, erklären die Präsidenten.

Foto: © Gina Sanders - Fotolia.com

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