Run-off-Welle durch LVRG erwartet

Versicherungen Top News von Christian Hilmes

Lohnt sich der Bereich Leben überhaupt noch? Diese Frage dürften nach Abschluss der LV-Reform vor allem kleinere Versicherer mit Nein beantworten. Branchenexperten stellen daher in Aussicht, dass einige Anbieter ihr Neugeschäft einstellen dürften.

25 statt 40 Promille der Abschlusskosten dürfen bilanziell geltend gemacht werden. So sieht es zumindest das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) vor, das heute im Bundestag beraten wurde. Das komplexe Reformpaket soll noch im Juli vom Bundesrat verabschiedet werden und kurz darauf in Kraft treten.

Durch den gesenkten Höchstzillmersatz allein werden die Provisionszahlungen der Versicherer an den Vermittler aber nicht gedeckelt, wie es jetzt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) fordert. Stattdessen könnte es zum „Geschacher um die höchsten Abschlussprovisionen“ kommen. 

Wettbewerb um Vermittler 
Diese Einschätzung teilt Frank Hammer (Foto): „Die Versicherer müssen künftig deutlich stärker als bisher in Vorleistung treten, um das aktuelle Vergütungsniveau im Vertrieb zu halten“, sagt der Experte für Vertriebs- und Kundenmanagement bei der Unternehmensberatung Q Perior, die den deutschen Versicherungsmarkt beobachtet. 

Die Konzentration des Marktes auf immer weniger Anbieter dürfte mit dem LVRG verstärkt werden. Laut Hammer wirkt sich der geringere Bilanzansatz nämlich vor allem auf diejenigen Assekuranzen nachteilig aus, denen der finanzielle Spielraum für zusätzlichen Aufwand im Vertrieb fehlt. 

LV-Anbieter vor Problemen 
„Die Gesellschaften sind vermutlich gezwungen, bei den Provisionen zu sparen“, so Hammer weiter. Sinkende Provisionen verstärkten aber voraussichtlich Abwanderungen von Vermittlern zu zahlungskräftigen Gesellschaften. In der Folge nehme die Angebotsvielfalt für Versicherungskunden langfristig ab.

Mit der Umsetzung des LVRG sinkt voraussichtlich von 2015 an auch der Höchstrechnungszins, der oft auch Garantiezins genannt wird, um 0,5 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent. Das macht LV-Policen für die Kunden unattraktiv, worunter die Anbieter durch schwindende Absätze leiden. Für Hammer ist das ein weiteres Argument dafür, dass einige Versicherungsgesellschaften demnächst das LV-Neugeschäft endgültig einstellen dürften (Run-Off). 

Fotos: © Tom Wang - Fotolia.com, Q Perior 

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