Provisionsausweis unmöglich

Versicherungen Top News von Markus Rieksmeier

Die Bundesregierung will Provisionen künftig offengelegt wissen. Nun will der Bundesrat darüber hinaus alle Entgelte ausgewiesen sehen. Dies stellt die Vermittler vor Probleme, die auch technologisch kaum lösbar sind.

Der Entwurf zum Lebensversicherungs-Reformgesetz (LVRG) ist im Schnellverfahren entstanden und soll ebenso schnell beraten werden. Dies gilt sowohl für die offiziellen Lesungen im Bundestag wie für die Anhörung der Vermittler- und Verbraucherverbände. Hinzu kommt: Der Gesetzentwurf, inzwischen vom Bundeskabinett beschlossen, ist (auch) zum Provisionsausweis recht vage formuliert: Demnach hat der Vermittler künftig die ihm „unmittelbar zustehende Provision als Gesamtbetrag“ anzugeben.

Ende vergangener Woche hat wiederum der Bundesrat die Anforderungen an den Provisions-Ausweis erhöht: Neben den Abschluss-Vergütungen sollen der Länderkammer zufolge „alle geldwerten Vorteile“ wie Bestandsprovisionen offengelegt werden. Die derzeitigen Formulierungen des Gesetzentwurfs und die Forderungen des Bundesrats lassen sich kaum ins korrekte Verhältnis zur Berechnung der Einnahmen des Vermittlers setzen, weil die Vergütung des Vermittlers je nach Status (Agent, Makler oder angestellter Banker) höchst unterschiedlich geregelt ist. Auch innerhalb eines jeden Status gibt es große Unterschiede.

Maschinelle Angebote unmöglich
Zum Beispiel bei Versicherungsmaklern: Deren Abschlusscourtage wird - je Versicherer - zwar nach einem festen Schlüssel je Tarif ermittelt. Damit ist innerhalb des Versicherers eine gewisse Einheitlichkeit bei der Verwaltung von Courtage-Verträgen gewährleistet. Individuelle Courtagesätze unterscheiden sich allerdings von Makler zu Makler. Bisher spielte das vermittelte Volumen eine Rolle. Seit der Vertriebskodex der Versicherer Umsatzbonifikationen ausschließt, könnte die Vergütung dennoch variieren: weiterhin denkbar ist die Abhängigkeit von Qualitätsmerkmalen wie der Stornoquote.
Selbst wenn das LVRG nach seiner Rechtskraft einen Schlüssel für die Angabe der Vergütungen liefern sollte. Wie soll der Makler dies technisch gesehen gegenüber dem Kunden in Euro und Cent ausweisen? „Im Moment wären wir dazu bei den meisten Sparten und Versicherern nicht in der Lage“. Dies schreibt Versicherungsmakler Matthias Helberg aus Osnabrück in einer Stellungnahme zum LVRG. Helberg verweist auf die unterschiedlichen Courtageverträge. Je nach Makler und Versicherer variieren die Einbehalte für Stornoreserven ebenso wie die diesbezüglichen Auszahlungs-Regelungen und -termine. Hinzu kämen, so Helberg, unterschiedliche Kosten oder Einbehalte von Prämien für die Vertrauensschaden-Versicherung.

Banker erhalten keine ausweisbare Provision
Dieses gewachsene Vergütungssystem mit vielen individuellen Variablen ließe sich technisch kaum angleichen. Im einzelnen Angebotsprogramm eines Versicherers könnte der Makler noch (aufwändig) entsprechende Ergänzungen vornehmen. Aber bei Vergleichs- und Angebotsprogrammen von Franke und Bornberg, Morgen & Morgen oder Softfair scheidet diese Möglichkeit aus. Denn diese Anbieter kennen die jeweiligen Courtage-Konditionen des Maklers nicht und könnten sie auch beim besten Willen und mit ausgefeilter Technik nicht berücksichtigen!

Angestellte Bankberater bekommen die laut Gesetzentwurf „unmittelbare“ Provisionszahlung überhaupt nicht. Sie erhalten meist nach Produktsparten unterteilte Verkaufsziele (für Kredite, Bausparverträge oder auch Lebensversicherungen). Je nach Zielerfüllung zahlen die Banken am Jahresende einen Gehaltsbonus an ihre angestellten Filialverkäufer. Speziell hierfür wurden die Entgelttarife der Banken vor Jahren geändert. Der von einem Bankvermittler verkauften Lebensversicherung ist derzeit keine Vergütung als ausweisbarer Eurobetrag zuzuordnen.

Neun Provisionen berechnen
Am schwierigsten würde der Provisionsausweis – wie immer man ihn später berechnen müsste – bei der Privaten Krankenversicherung. Der verantwortungsvolle Makler, der regelmäßig drei PKV-Unternehmen zum Vergleich anbietet und drei Selbstbehaltstufen, hätte demnächst neun Provisionen zu berechnen und bereits mit dem Angebot offenzulegen. Maschinelle PKV-Offerten wären auf dem technischen Stand von heute vor allem bei PKV-Vergleichsanbietern, die auch formal korrekte Angebote generieren, unmöglich.

Hoch spezialisierte Vermittler, deren bAV- oder Spartenwissen ihrer Fachkompetenz entsprechend höher vergütet wird, müssten ihre höheren Provisionen dem Kunden gegenüber als „teureres“ Angebot ausweisen. Der BVK-Vermittlerverband formulierte dies in seiner Stellungnahme zum LVRG-Entwurf kürzlich so: „Wenn der Kunde jetzt auch noch über die individuelle Provision des Vermittlers informiert  wird, sind Missverständnisse vorprogrammiert“.

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