Notaufnahme statt Wartezimmer

Versicherungen Top News von Markus Rieksmeier

Geht es nach Schwarz-Rot, gehen Kassenpatienten bald in die Kliniken, wenn innerhalb von vier Wochen kein Facharzttermin in Sicht ist. Doch dies treibt heute schon viele Kliniken über ihre Grenzen - finanziell und personell.

Es ist mehr als eine Wasserstandsmeldung, was die politischen Verhandlungsführer von Union und SPD, Jens Spahn und Karl Lauterbach, in der letzten Woche verkündeten. Die künftigen Groß-Koalitionäre und ihre Parteien scheinen einig; demnächst soll es eine Garantie für Kassen-Patienten geben. Entweder der Patient hat innerhalb von vier Wochen seinen Facharzt-Termin, oder er kann sich in einer Klinik behandeln lassen. Die Kosten hierfür, so der Plan, hätten die Kassen zu tragen.

Am Anfang soll laut Jens Spahn, Gesundheitsexperte der CDU, und Karl Lauterbach, gelernter Gesundheitsökonom, eine Art Zusatzservice stehen. Die Gesetzlichen Kassen sollen für ihre Mitglieder eine Art Terminservice anbieten. Findet der Patient keinen Facharzt, der innerhalb von vier Wochen einen freien Termin anbieten kann (oder will?), kann er sich an die Kasse wenden. Diese soll ihm dann möglichst einen Termin beim Facharzt besorgen. Ein solches System müssten die Kassen erst einrichten.

Fachärzte sollen zahlen

Würde der Patient im Falle vergeblicher Kassenhilfe keinen Facharzt bekommen, könnte er sich nach vier Wochen (oder mangels Aussicht sofort) in eine Klinik begeben, um sich fachärztlich betreuen zu lassen. Dazu sagte Jens Spahn (CDU) im Anschluss an die Koalitionsgespräche: „Gesetzlich Versicherte zahlen bis zu 350 Euro Beitrag im Monat. Wir finden, dafür muss auch eine zeitnahe Terminvermittlung möglich sein“. Zur Präzisierung: „Wir“ bezog Spahn auf den neben ihm stehenden Kollegen Lauterbach (SPD) – man scheint sich einig. Mit „350 Euro“ meint Spahn lediglich den Arbeitnehmeranteil. Tatsächlich fließt bei Freiwillig Versicherten mit den Arbeitgeber-Anteilen das Doppelte in die Gesetzlichen Kassen.

Wendet sich der Kassenpatient an eine Klinik, dann würde der dort fachärztlich behandelt. Aber Achtung Fachärzte: Dieses Geld würde aus dem Budget der Ärzte entnommen. Das hat auch die Ärzteschaft wahrgenommen; und ist gegen die Termingarantie. Das hierzu gut informierte „Ärzteblatt“ zitiert Ärztevertreter. Laut Andreas Köhler von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV)  haben „rund 80 Prozent der Versicherten keine Probleme mit der Wartezeit“; in den „registrierten Ausnahmefällen“ seien Wartezeiten im Interesse der Patienten zu reduzieren. 

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