Honorarberatung weiter auf dem Vormarsch

Berater von Stefan Terliesner

Ab August wird die direkte Vergütung des Beraters durch den Kunden gesetzlich geregelt. Und in einem neuen Aktionsplan kündigt die Regierung bereits eine Ausdehnung auf den Versicherungsbereich an.

Das Honorar-Anlageberatungsgesetz steht kurz vor dem Inkrafttreten. Und schon zeichnen sich weitere Maßnahmen der Bundesregierung zur Förderung und Ausweitung der Honorarberatung ab. Hierauf weist das Private Finance Institute und der Stiftungslehrstuhl Private Finance & Wealth Management der EBS Business School in Oestrich-Winkel hin. Bei der EBS können Finanzdienstleister nach erfolgreichem berufsbegleitendem Studium ein EBS-Zertifikat als Honorarberater (EBS) erlangen.

Laut Pressemitteilung treten am 1. August die Regelungen des Gesetzes zur Förderung und Regulierung einer Honorarberatung in Finanzinstrumenten (kurz: Honorar-Anlageberatungsgesetz) in Kraft und regeln damit erstmalig das bislang keiner besonderen Regulierung unterliegende Geschäftsfeld der Honorar-Anlageberatung und der Honorar-Finanzanlagenberatung.

Kunden werden sensibilisiert
Wer jedoch denkt, dass sich hiermit nur aktuelle und angehende Honorarberater beschäftigen, hat weit gefehlt, heißt es in der Mitteilung der EBS. Die im Wertpapierhandelsgesetz neu eingeführten besonderen Verhaltenspflichten, wie zum Beispiel die Pflicht zur Kundeninformation (§ 31 Abs. 4b WpHG), würden unmittelbar auch auf Provisionsbasis tätige Berater zutreffen und würden kundenseitig für eine weitere Sensibilisierung in Bezug auf Beratungs- und Vertriebskosten führen.
Für Handlungsbedarf sorge auch der am 22. Mai 2014 vom Bundesfinanz- und Bundesjustizministerium gemeinsam vorgestellte Aktionsplan zum Verbraucherschutz im Finanzmarkt, der eine weitere Stärkung und Ausdehnung der Honorarberatung vorsieht. „Unternehmen und Berater müssen sich jetzt mit den Chancen, aber auch Anforderungen der Honorar-Anlageberatung auseinandersetzen, denn weitere Änderungen zeichnen sich schon heute ab“, wird Rolf Tilmes, Executive Director des Private Finance Institute der EBS Business School, in der Pressemitteilung zitiert.

Aktionsplan der Bundesregierung
Der Aktionsplan ist eine Reaktion der Bundesregierung auf die Insolvenz des Windkraftprojektierers und -betreibers Prokon. Laut Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz umfasst er folgende Maßnahmen:

A. Maßnahmen zur Verbesserung des Schutzes von Kleinanlegern im Grauen Kapitalmarkt

* Schließung von Regelungslücken und Umgehungsmöglichkeiten

* Erhöhung der Transparenz von Finanzprodukten

* Verschärfung der produkt- und vertriebsbezogenen Vorgaben

B. Zusätzliche Maßnahmen

* Stärkung der außergerichtlichen Streitschlichtung

* Stärkung der Honorarberatung als Alternative zu einer Beratung auf Provisionsbasis für alle Finanzprodukte, wobei hohe Anforderungen an die Qualität der Beratung festgelegt werden. Die Honorarberatung kann auf den Versicherungs- und Darlehensbereich ausgedehnt werden. Dabei werden die Beratungen auf EU-Ebene zur Versicherungsvermittlungsrichtlinie berücksichtigt.

* Stärkung der Institutionen indem der Verbraucherschutz als Aufsichtsziel der BaFin gesetzlich verankert wird und bestehende Verbraucherorganisationen mit einer Marktwächterfunktion beauftragt werden.

* Stärkung der Verbraucherrechte beim Zugang zu und bei Nutzung von Bankdienstleistungen (Beispiel: „Girokonto für jedermann“)

Hier klicken für Einzelheiten zum Aktionsplan.

Foto: © RFsole - Fotolia.com

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