„Der Starkult um Manager ist zum Teil gerechtfertigt“

Investmentfonds Top News von Julia Groth

Manager erfolgreicher Investmentfonds sind die Stars der Branche. Wechselt das Management, sollten Anleger überprüfen, ob die Fonds ihnen noch das bieten, was sie haben wollen. Das sagt André Härtel, Analyst bei Feri Eurorating im procontra-Interview.

procontra: Wie wichtig ist die Person des Managers für die Wertentwicklung eines Fonds? 

André Härtel: Bei aktiv verwalteten Fonds hat der Manager die Entscheidungsgewalt darüber, welche Titel im Portfolio sind. Die Performance ist deshalb relativ eng mit der Person des Managers verknüpft. Beim Fonds Fidelity European Growth hat sich die Wertentwicklung zum Beispiel je nach Manager deutlich verändert. 

procontra: Ist der Starkult um manche Fondsmanager also gerechtfertigt? 

Härtel: Zum Teil schon. Manche Investmentgesellschaften vermeiden es deshalb gezielt, Einzelpersonen zu Stars aufzubauen. Denn wenn Star-Manager gehen, gehen ihre Anleger oft mit, das reduziert die Assets und drückt möglicherweise auf die Performance der zurückbleibenden Fonds. Einigen Fonds machen Managerwechsel allerdings weniger aus als anderen. Beim Uniglobal zum Beispiel hat in den vergangenen 20 Jahren mehrmals die Leitung gewechselt, Stars wie Olgerd Eichler und Christoph Bruns sind gegangen. Trotzdem hat sich der Fonds gut entwickelt. 

procontra: Woran lag das? 

Härtel: Union Investment verfolgt beim Uniglobal einen teamorientierten Ansatz, räumt also auch anderen Experten als dem Fondsmanager einen gewissen Einfluss auf das Portfolio ein. Um abschätzen zu können, wie eng ein Fonds mit der Person des Managers verknüpft ist, sollte man sich anschauen, wie stark Analysten bei der Zusammensetzung des Portfolios mitreden dürfen. 

procontra: Sollten Anleger einem scheidenden Star zu seinem neuen Arbeitgeber folgen? 

Härtel: Das kann man nicht pauschal beantworten. In Nischenbereichen, zum Beispiel bei der Anlageklasse Wandelanleihen, haben Fondsmanager viele Freiheiten. Sie können nach einem Wechsel oft genauso weitermachen wie zuvor, haben also die Chance, gute Ergebnisse aus der Vergangenheit zu wiederholen. Auch Dachfondsmanager haben oft freie Hand. Branchenstars sind nach einem Arbeitgeberwechsel aber nicht immer so erfolgreich wie vorher. Es gibt durchaus Negativbeispiele. 

procontra: Haben Sie eines parat? 

Härtel: Raphael Kassin. Bei ABN Amro war er ein Star im Bereich der Schwellenländeranleihen. Er verwaltete seinen Fonds dort zum Teil sehr aggressiv, mit durchaus guten Ergebnissen. Dann wechselte er zu Credit Suisse, nach kurzer Zeit weiter zu Reyl Asset Management und verließ das Haus bereits nach nur einem Jahr wieder. 

procontra: Was tun Sie bei Feri, wenn bei einem Fonds der Manager wechselt? 

Härtel: Wir schauen uns an, wie erfahren der neue Manager ist und ob der Fonds durch ihn eine neue Ausrichtung bekommt. Dann entscheiden wir, ob wir den Fonds als Kauf oder Verkauf einschätzen. Den M&G Global Basics zum Beispiel empfehlen wir seit dem jüngsten Wechsel an der Spitze nicht mehr. Bei diesem Fonds kamen mehrere negative Faktoren zusammen, aber der Manager-Wechsel hat den Ausschlag gegeben.

Foto: Feri Eurorating