Anleger meiden offene Immobilienfonds

Investmentfonds von Rainer Kreuzer

Das Netto-Mittelaufkommen offener Immobilienfonds ist im ersten Quartal dieses Jahres um 57 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal eingebrochen. Die Liquidität sowie die Vermietungsquote sind gestiegen.

Die Ratingagentur Scope sieht die Neuregelung des KAGB im Juli vergangenen Jahres als Grund für den dramatischen Rückgang der Kapitalzuflüsse. Die Anleger müssen nämlich seitdem ihre neuen Anteile mindestens zwei Jahre lang im Depot halten. Scope rechne damit, „dass sich die Mittelzuflüsse zukünftig auf einem generell niedrigerem Niveau als in den Jahren unmittelbar vor der Regulierung einpendeln werden“, heißt in den „Offene Immobilienfonds Ratings 2014“.

Der jetzt veröffentlichten Auswertung zufolge hatten die Anleger noch im ersten Quartal 2013 netto 1,8 Milliarden Euro in offene Immobilienfonds investiert. Zwischen Anfang Januar und Ende März dieses Jahres waren es nur noch 776 Millionen Euro. Am härtesten betroffen waren danach der Grundbesitz Global mit einem Netto-Verlust von rund 43,5 Millionen Euro und der Westinvest Interselect mit einem Abfluss von rund 20 Millionen Euro. Einzig der Uniimmo: Global konnte seine Zuflüsse netto um rund 2,7 Millionen Euro steigern.

Die Quote flüssiger Mittel ist laut Scope um durchschnittlich 0,5 Prozentpunkte auf jetzt 22,1 Prozent gestiegen. Zwei Fonds wiesen einen Cashanteil in Höhe von 32 und 35,9 Prozent aus. „Die hohen Quoten belasten das Fondsergebnis durch die geringe Verzinsung und die negative Auswirkung auf den steuerfreien Anteil an den Ausschüttungen“, geben die Berliner Analysten zu bedenken.

Scope rechnet damit, dass die bestehenden Fonds auch künftig eine Liquiditätsquote zwischen 15 und 20 Prozent vorhalten werden müssen, weil Altanleger weiterhin börsentäglich bis 30.000 Euro pro Halbjahr abziehen können. In den vergangenen Monaten hätten bereits zwei Anbieter die Auflage neuer Fonds angekündigt, berichtet die Ratingagentur. Bei diesen könne aufgrund der verlängerten Haltefrist die Liquidität niedriger gehalten werden.

Auch die Kreditquoten sind der Studie zufolge im Durchschnitt aller 15 untersuchten Fonds leicht gesunken: von 21,5 Prozent in 2012 auf jetzt 20,9 Prozent. Nach der Neuregelung durch das KAGB müssen alle bestehenden Fonds bis 2015 ihren Kreditanteil auf maximal 30 Prozent des Gesamtverkehrswertvolumens reduzieren. Bei vier Immobilienfonds liegen laut Scope die Kreditquoten noch immer über dieser Marke, beim SEB Immoportfolio Target Return sogar bei 43,3 Prozent.

Die Vermietungsquote stieg gegenüber dem Vorjahr um 0,6 auf 93 Prozent. An der Spitze steht im Ratingbericht der Westinvest Immovalue mit einer Vermietungsquote von 97,1 Prozent. Der USB Euroinvest Immobilien hat danach aktuell nur 82,7 Prozent seiner Flächen vermietet.

Foto: © kmiragaya - Fotolia.com

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