Altersarmut: Problem erkannt, aber nicht gebannt

Berater von Christian Hilmes

Etwa drei Viertel der Deutschen können die im Alter drohende Vorsorgelücke nicht aus eigener Kraft schließen. Das Problem: Etwa genauso viele Menschen wollen ihren heutigen Lebensstandard nicht zu Gunsten der Vorsorge einschränken.

Rund 75 Prozent der Deutschen haben nicht die finanziellen Möglichkeiten, um fürs Alter ausreichend vorzusorgen. Das geht aus dem aktuellen „Altersvorsorge-Report: Deutschland 2014“ der Sparda-Bank Hamburg hervor, der zusammen mit dem Research Center for Financial Services der Steinbeis-Hochschule Berlin erstellt wurde. Besonders betroffen ist demnach die Berufsgruppe der Arbeiter, von denen aktuell nur rund 19 Prozent noch finanzielle Spielräume für die private Altersvorsorge haben.

Die Schere zwischen Arm und Reich wird nach Meinung des Sparda-Vorstandsvorsitzenden Heinz Wings immer größer. Denn diejenigen Bürger, die aktuell über ausreichend Kapital für eine zusätzliche private Altersvorsorge verfügen, können im Schnitt etwa 325 Euro zusätzlich zurücklegen. „Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung wird im Alter gut leben können, wohingegen ein wesentlich größerer Teil mit Einschränkungen oder gar Altersarmut zu kämpfen haben wird“, erwartet er. 


Selbständige sind besonders armutsgefährdet
Vor allem selbstständige Handwerker tun mit ihren durchschnittlich pro Monat gesparten 135 Euro zu wenig. Für die private Altersvorsorge verzeichnet die Studie dagegen etwa 400 Euro pro Monat bei der Berufsgruppe Freiberufler. Bei ihnen ist ein hoher Sparbeitrag für die Altersvorsorge wichtig, da sie sich nicht auf die staatliche Rente verlassen können.

Durchschnittlich mehr als 27.000 Euro fehlen nach aktuellem Stand jedem Deutschen im Alter, belegt die Studie. Dabei seien sich rund 80 Prozent der Bürger durchaus bewusst, dass sie rechtzeitig privat vorsorgen sollten. 73 Prozent der Deutschen sind jedoch nicht bereit, dafür ihren Lebensstandard einzuschränken. Ein Lichtschimmer: Immerhin kann sich laut der Studie knapp die Hälfte der Bürger vorstellen, anstehende Lohnerhöhungen in Vorsorgeprodukte zu investieren.

Fotos: © Jeanette Dietl - Fotolia.com, Sparda

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