HDI knüpft Einkommensschutz an Betriebsrente

Versicherungen von Stefan Terliesner



Talanx-Tochter zieht „bAV-Nettojoker“
Das Ergebnis der Bemühungen ist der „bAV-Nettojoker“ von HDI. Hierbei handelt es sich um eine Direktversicherung in Verbindung mit der Berufsunfähigkeitspolice „EGO“ (die Kombination ist seit Oktober 2013 auf dem Markt) oder mit der Erwerbsminderungsrente „EGO Basic“ (seit Ende April 2014). Bei diesem Modell sei die Einkommensabsicherung für den Versicherungsnehmer „im Schnitt um rund 25 Prozent günstiger als bei einer privaten Absicherung.“ Wegen der Entgeltumwandlung würden die Beiträge aus dem Bruttoeinkommen gezahlt. Dadurch spare der Arbeitnehmer in der Erwerbsphase Steuern und Sozialabgaben. Weil die bAV-Rente aber der nachgelagerten Besteuerung unterliegt und zudem in der Rentenphase für gesetzlich Versicherte Sozialabgaben anfallen, müsse der Kunde beim „bAV-Nettojoker“ zunächst eine höhere Bruttorente versichern, um im Fall der Fälle die gleiche Nettorente zu erzielen wie bei der privaten Absicherung. Unterm Strich lohne sich das Konstrukt dennoch.

Interessant für die Zuhörer war auch der Vortrag von Sandra Blome vom Ulmer Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (ifa). Gleich zu Beginn empfahl sie den Maklern, auf die Bonität eines Versicherers zu achten. „Die Versicherer in Deutschland haben ein großes Kostenproblem“, sagte die Aktuarin. Im Niedrigzinsumfeld würden die Anbieter auch ihre aktuelle Gesamtverzinsung nicht halten können. Eine weitere Absenkung des Höchstrechnungszinses von 1,75 Prozent auf 1,25 Prozent ab dem 1. Januar 2015 sei wahrscheinlich.

Haftungsfallen für Makler
In der Folge würden die Versicherer ihre bestehenden Produkte mit Beitragsgarantie wie folgt anpassen: höhere Mindestlaufzeiten, höhere Mindestbeiträge, Reduktion und Differenzierung der Kosten, Änderung der Bezugsgrößen für Kosten sowie Anpassung der Garantien. Wo dies möglich ist, also zum Beispiel bei Hybridprodukten, sei mit einer Erhöhung der Fondsquote zu rechnen. Weitere Produktanpassungen seien wahrscheinlich. Für Makler könnten sich Haftungsfallen ergeben. Schon jetzt gebe es in der bAV Direktversicherungen, „die zwar die Garantie der Beiträge bei Ablauf vorsehen, aber bei Beitragsfreistellung wird diese Garantie bei manchen Anbietern herabgesetzt!“, warnt Blome. Dies sei nur durch sehr genaues Hinsehen und Nachrechnen ersichtlich.

Trotz Dauerzinstief und dem geplanten Regelwerk Solvency II sei die klassische Versicherung aber kein „Auslaufmodell“, betonte Blome. „Für risikoscheue Kunden bleibt sie ein sehr attraktives Produkt. Und bei Produkten für risikofreudigere Kunden bleibt die Klassik ein wichtiger Baustein, zum Beispiel für dynamische Hybridprodukte.“ Die Aktuarin wies darauf hin, dass nur Versicherer den Risikoausgleich im Kollektiv und in der Zeit darstellen dürfen und können. „Selbst ohne Garantie führe das zu einem einzigartigen Verhältnis von Chance und Risiko.“ Allerdings müssten die Anbieter sich dem veränderten Umfeld anpassen – „auch hinsichtlich der Kosten!“  

„Vermittler muss genauer hinsehen“
Auf Produktebene würden fondsgebundene Garantieprodukte an Bedeutung gewinnen. Wobei die Anbieter sich auf Garantien beschränken sollten, die der Kunde wirklich braucht. Auch in der Rentenbezugsphase werde die Produktvielfalt zunehmen. Insgesamt werde das Umfeld für Makler und Vermittler schwieriger. „Der Vermittler muss genauer hinsehen“, schließt Blome ihren Vortrag.

Seite 1: „Betriebliche Altersvorsorge lohnt!“
Seite 2: Haftungsfallen für Makler