Genossenschaft will „Haftpflicht-Oligopol“ knacken

Versicherungen von Christian Hilmes

Deutschlands Hebammen haben es mit ihren Protesten in den vergangenen Wochen auf die Titelseiten geschafft. Ihre stark gestiegenen Versicherungsprämien haben jetzt auch einen neuen Vermittler von Haftpflicht-Policen für Heilberufe auf den Plan gerufen.

Das „Haftpflicht-Oligopol im Heilwesen knacken“ will nach eigenen Angaben das Ende 2013 gegründete Heilwesennetzwerk (HWNW) aus dem rheinländischen Meerbusch. Die Genossenschaft bezeichnet sich selbst als „Initiative von namhaften Vertretern aus dem Gesundheitssektor und dem Versicherungswesen“. Aufsichtsratsvorsitzender ist Rechtsanwalt Dirk Geitner, Ex-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Ärzteversicherung.

Mit dem Partner Deutsche Assekuranz Service (DASG) würden Versicherungs- und Bankprodukte vollständig und spartenübergreifend abgewickelt sowie Bestände betreut und verwaltet. Die Genossenschaft will als Netzwerk die Vorteile als Einkaufsgemeinschaft im Markt der Haftpflichtversicherungen für Heilberufe nutzen, in dem bislang nur wenige Vermittler und Versicher aktiv sind. Das HWNW arbeitet nach eigenen Angaben derzeit bundesweit mit Vermittlern und Beratern an 18 Standorten zusammen. Weitere folgen demnach Gießen, Saarbrücken und St. Ingbert oder sind geplant.

Mehr Effizienz im Gesundheitssektor
Zielgruppe der Haftpflichtversicherungen sind neben freiberuflichen Hebammen und den Betreibergesellschaften von Krankenhäusern auch die mehr als 300.000 niedergelassenen Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Angehörige sonstiger Heilberufe. Ihnen sollen „ausgewählte Berater“ Rahmenverträge und eine umfassende Betreuung anbieten.

Niedrigere Versicherungsprämien für die Kundschaft seien durch mehr Effizienz im Gesundheitssektor möglich: „Nach unseren Berechnungen könnte das gesamte Heilwesen in Deutschland jährlich Versicherungskosten in deutlich zweistelliger Millionenhöhe einsparen“, sagt HWNW-Vorstand Horst Peter Schmitz.

Als Beispiel nennt er das Netzwerk der Geburtshäuser, das ein Qualitätsmanagementsystem eingeführt hat. „Bislang fehlt ein professionelles, praxisnahes und einheitliches Qualitätsmanagement und es herrscht eine komplette Intransparenz bei Kosten und Schadenquoten.“ Die freiberuflich tätigen Hebammen beklagen, dass ihre Haftpflichtprämien seit mehreren Jahren enorm gestiegen sind (siehe Grafik).  

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