„Direktinvestments in Wald sind keine Finanzprodukte“

Sachwerte Top News von Robert Krüger-Kassissa

Kritik von unterschiedlichen Seiten hagelte es kürzlich gegen ForestFinance, dem ältesten Anbieter von Wald-Investmentprodukte. Geschäftsführer Harry Assenmacher nimmt im Interview zu allen Punkten ausführlich Stellung.

procontra: Die Prokon-Pleite hat gezeigt, dass „grüne“ Investmentprodukte nicht zugleich „gute“ Investmentprodukte sind. Spüren Sie in Folge von Prokon Zurückhaltung im Vertrieb oder verstärkten Nachfragen seitens Ihrer Kunden?

Harry Assenmacher: Die Insolvenz der Prokon und die dadurch entstandene öffentliche Diskussion hat nicht zu vermehrten Anfragen geführt. Unsere Kunden sehen zu Recht keine Verbindung zwischen unseren Angeboten von Direktinvestments in Wald und den genannten Genussscheinen von Prokon.

Ausgelöst durch Prokon reagiert aktuell die Politik und erarbeitet Vorschläge, wie Investments am Grauen Kapitalmarkt zukünftig stärker reguliert werden. Wir unterstützen diese Forderungen im Wesentlichen, insbesondere die Verpflichtung, Geschäftsberichte zeitnah zu veröffentlichen. Die Investoren sollen sich ein Bild vom Anbieter machen können, müssen dann aber am Ende frei darüber entscheiden können, wo sie Geld anlegen wollen.

Im Übrigen, ist es nicht überraschend, dass es auch im grünen Investmentsegment sowohl schwarze Schafe gibt, als auch „gute“ und weniger „gute“ Investitionsangebote. Diese nun offenkundig werdende Situation ist eher ein Zeichen der Normalisierung und wird hoffentlich den Blick sowohl der Investoren für vorgeschobene pseudo-ökologische Argumente schärfen, als auch dazu führen die Aufmerksamkeit von journalistischer Seite differenzierter auf den sachlichen Gehalt der „grünen“ Angebote zu lenken.

procontra: Die NGO Global Nature Fund (GNF) und OroVerde haben kürzlich einen Realitätscheck vor Ort von geschlossenen Fonds und Direktinvestments im Segment Wald unter anderem von Forest Finance gemacht. Geprüft wurde, ob die Investments die ökologischen und sozialen Versprechen, welche in den Prospekten gemacht werden. Ein Fazit: Renditeorientierte Waldinvestments sind kein Instrument des Biodiversitätsschutzes. Was sagen Sie zu diesen ernüchternden Ergebnissen?

Assenmacher: Wir finden diese „Erkenntnis“ und das Resultat dieses kleinen untersuchten Marktsegments, bei dem es sich eher um eine Stichprobe handelt, nicht verwunderlich. Insbesondere, da in dieser Studie kaum Waldinvestments untersucht wurden, sondern Forst- oder Holzinvestments. So ist das Resümee auch recht banal. Dass Monokulturen (wie Teakplantagen) keinerlei Beitrag zur Biodiversitätssteigerung leisten, ist eine „Erkenntnis“, die nicht nur wir bereits seit vielen Jahren vertreten und publizieren. Einer sogenannten Untersuchung zur Bestätigung dieser Aussage hätte es u. E. nicht bedurft.

In Bezug auf unsere beiden in der Studie vertretenen Investprodukte GreenAcacia (ein Direktinvestment), als auch der Fonds PureForest 1, für den wir die forstliche Verantwortung tragen, basieren konzeptionell auf solchen bereits bestehenden Monokulturen, die erst nach einem Investitionszeitraum von 25 bis 50 Jahren in einen biodiversen Mischwald umgewandelt werden. Es handelt sich sozusagen um  Renaturierungsmaßnahmen (Beseitigung der Monokultur), die in der untersuchten Forstphase gar keine Biodiversität repräsentieren können und sollen. Diese folgt erst nach Ende der Investitionsphase, wenn aus der Monokultur ein Mischwaldsystem entstanden ist. Das wurde aber von der Studie nicht untersucht.

Unsere in der Tat ökologischen und biodiversen Kern-Wald-Produkte (im Sinne der sofortigen Biodiversität), WoodStockInvest, WaldSparBuch oder BaumSparVertrag fanden in der Studie keine Berücksichtigung, obwohl sie von Beginn an ein Mischwaldsystem zum Konzept haben, das am Ende der Laufzeit eine selektive Ernte beinhaltet, ohne dass ein Kahlschlag erfolgt. Diese Wälder bleiben über die Ernte hinaus als Wald bestehen. Sie sind erwiesenermaßen hoch biodiversitätsfördernd.

ForestFinance ist der älteste und erfahrenste Anbieter solcher echten Wald-Investmentprodukte und kann als Einziger durch die langjährige – fast zwei Jahrzehnte andauernde – Forsterfahrung sehr weit entwickelte biodiverse Waldsysteme nachweisen. In den ältesten Wäldern, die durch unsere Investoren entstanden sind, lassen sich zahlreiche Tiere nachweisen, seltene Arten aus Tier- und Pflanzenwelt haben bereits in diesen Wäldern eine (neue) Heimat gefunden. Unsere Wälder sind Gegenstand internationaler Forschung und Teile der Gebiete wurden sogar zum „High conservation value forest“ (HCVF) erhoben. Durch die Wahl der Nicht-Wald-Invest-Produkte für die Studie wurde aber diese eindeutig vorhandene und sofort belegbare Biodiversität nicht berücksichtigt. Zwar hat die Auditorin beim Besuch in Panama diese Wald-Flächen gesehen und einen persönlichen Eindruck von der Biodiversität erhalten, berücksichtigt wurde dies aber in der Bewertung nicht.

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Foto: Harry Assenmacher, © ForestFinance

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