Einkommensschutz für risikoreiche Berufe

Versicherungen von Stefan Terliesner

Neue EU-Police von HDI noch kein Verkaufsschlager. Um Ausschnittdeckungen bei Kunden zu vermeiden, erhalten Makler bei BU-Ablehnung standardmäßig einen EU-Antrag.

Wie kann man Einkommensschutz bezahlbar machen? Diese Frage beschäftigte Gerhard Frieg, im Vorstand von HDI Leben für das Produktmanagement und Marketing verantwortlich. Das Ergebnis der Überlegungen bei HDI: EGO Basic, eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung (EU), die sich vor allem an Berufsgruppen wendet, die es schwer haben, eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) zu bekommen. „Den besten Einkommensschutz biete die BU. Ist sie für Kunden aus finanziellen oder gesundheitlichen Gründen nicht erreichbar, ist die EU die beste Alternative“, sagte Frieg vor Journalisten in Köln. Ein Verkaufsschlager ist die neue EGO Basis allerdings noch nicht. Seit dem 1. Januar 2014 auf dem Markt verfügbar, hat HDI bisher rund 150 Policen verkauft, hieß es auf Anfrage. Frieg ergänzte rasch: „Wir erwarten eine Belebung des Geschäfts.“

Alle Risiken abdecken
Rund drei Viertel des Geschäfts von HDI läuft über Makler. Auch vor diesem Hintergrund hält Frieg es für notwendig, Aufklärungsarbeit in Sachen „echter Einkommensschutz“ zu betreiben. Zudem schicke HDI einem Makler für seinen Kunden automatisch einen EU-Antrag zu, falls ein BU-Antrag abgelehnt wird, was nur bei 6 Prozent der Anträge der Fall sei. Bekanntlich leistet eine BU, wenn der Kunde seinen zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann. Eine EU hingegen springt ein, wenn der Kunde überhaupt keiner Tätigkeit mehr nachgehen kann – unabhängig vom ausgeübten Beruf. Für Frieg sind alle anderen Produkte keine echte Alternative. Körperschutzversicherung, Funktionale Invaliditätsversicherung, Schwere Krankheiten-Versicherung, Grundfähigkeitsversicherung und Unfallversicherung böten nur Ausschnittdeckungen. Bestimmte Erkrankungen wie zum Beispiel Psyche blieben außen vor. Weil psychische Störungen laut Deutsche Rentenversicherung Bund in 41 Prozent aller Fälle die Ursache für Erwerbsunfähigkeit ist, „sollten Kunden Ausschnittdeckungen unbedingt vermeiden“, betonte Frieg.

Nur vier Berufsgruppen
Heutzutage sei die Absicherungsquote in Berufsgruppen mit hohem Erwerbsunfähigkeitsrisiko wie Gerüstbauer (52 Prozent) oder Dachdecker (51 Prozent) verschwindend gering. Dies läge auch daran, dass etliche Versicherer das Berufsunfähigkeitsrisiko immer weiter differenzieren. Im Markt gäbe es oft 12, in einem Fall sogar 24 Berufsgruppen. Das mache eine BU-Police für einen Arzt günstiger, für einen Dachdecker aber oft schlicht zu teuer. „Die BU-Prämie folgt dem Risiko“, sagt Frieg. HDI teile das Berufsunfähigkeitsrisiko in sieben Berufsgruppen. Um den Versicherungsgedanken, die Absicherung im Kollektiv, zumindest beim EU-Schutz wieder zu stärken, habe HDI hier nur vier Berufsgruppen. Davon profitierten die risikoreichen Berufe. Auch sei innerhalb einer Berufsgruppe eine EU-Police gegenüber einer BU-Police bei gleicher monatlicher Rente dann deutlich günstiger.

Bei der Definition der Erwerbsunfähigkeit folgt HDI dem Gesetzgeber. Erwähnt werden muss, dass Erwerbsunfähigkeit enger definiert ist, als Berufsunfähigkeit. Wer mehr als sechs Stunden in irgendeinem Beruf arbeiten kann, ist arbeitsfähig und bekommt keine gesetzlichen Leistungen. Wer zwischen drei und sechs Stunden arbeiten kann, bekommt die halbe Erwerbsminderungsrente. Die volle Rente zahlt der Staat, wenn man weniger als drei Stunden arbeitsfähig ist. Das macht jede EU-Police aus Sicht des Versicherungsnehmers weniger attraktiv. Aber wenn eine BU-Police unerreichbar ist, kann eine EU-Versicherung, die im Leistungsfall ergänzend zum Staat zahlt, sinnvoll sein.      

Foto: © Ingo Bartussek - Fotolia.com

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