„Einen klar negativen Fall hatten wir seit 2006 einmal“

Berater Top News von Robert Krüger-Kassissa

Teil zwei der Interview-Serie mit den Veranstaltern der Pools & Finance 2014. AfW-Vorstand Norman Wirth über Kritik an den AfW-Fördermitgliedern und was Che Guevara mit dem Verband zu tun hat.

procontra: Der AfW ist nun zum zweiten Mal dabei. Was werden Ihrer Meinung nach die bestimmenden Themen auf der Pools & Finance 2014 sein? 

Norman Wirth: Lassen Sie mich Eingangs sagen, dass wir uns sehr freuen, an einem solch verbindenden Event wie der Pools & Finance als Mitveranstalter beteiligt zu sein. Bei vielen Themen ist die Versicherungs- und Finanzbranche leider sehr gespalten. Umso positiver ist die Pools & Finance zu werten, bei der sich maßgebliche Pools –teilweise Konkurrenten – gemeinsam ihren Partnern - den Maklern - stellen.  Der Sinn der Pools & Finance liegt darin, dass die Besucher sich einen guten Marktüberblick über die teilnehmenden Pools und Produktgeber verschaffen können. Persönliche Netzwerke können gepflegt und erweitert werden. Ganz wesentlich ist sicher auch die weiter ausgebaute Wissensvermittlung in den zahlreichen Workshops. Sicherlich gibt  es auch regen Austausch zu aktueller Themen, wie GdV-Kodex, „gut beraten“, Provisionsdeckelung, IMD 2 und MiFid 2 und anderen Regulierungsvorhaben.

procontra: Die ehemaligen oder aktuellen Fördermitglieder des AfWs sind nicht frei von jeglichen Zweifel hinsichtlich ihres Geschäftsmodell. Wie nimmt der AfW die Auswahl seiner Mitglieder und Fördermitglieder vor?

Wirth: Bevor ich diese Frage beantworte, erlauben Sie mir ein paar Bemerkungen zu dem der Frage vorangestellten Satz, den ich keinesfalls so stehenlassen kann: Wir sind sehr stolz darauf aktuell mehr als 50 Fördermitglieder im AfW zu haben. Diese bilden inhaltlich quasi die gesamte Branche ab. Von Versicherungsunternehmen, über Pools, Servicedienstleister, Fachpresse, Qualifikationsunternehmen, Investmentfonds, Sachwertanbieter etc. Alles Unternehmen, die den AfW unterstützen, weil sie die Arbeit des AfW schätzen und ein Interesse daran haben, dass es auch morgen, in drei Jahren oder in 10 Jahren immer noch unabhängige Finanzdienstleister und Makler gibt. Und nicht nur Bankenvertrieb oder Ausschließlichkeit und Strukturvertriebe. Unsere Fördermitglieder sehen in der Arbeit des AfW einen Garanten dafür und unterstützen deswegen unsere Arbeit mit ihrer Fördermitgliedschaft. Dafür sind wir ihnen dankbar.

Wie jede große Partei, Gewerkschaft oder andere Verbände mag es auch im AfW das eine oder andere Mitglied oder Fördermitglied gegeben haben oder geben, was nicht den ethischen und satzungsgemäßen Kriterien, die an die Verbandsmitgliedschaft gestellt werden sollten, entspricht. Oder aber eines, dessen Geschäftskonzept nicht so aufgeht, wie ursprünglich gedacht war, und was sich deswegen aus dem Markt verabschiedet. Das ist normal.

Einen klar negativen Fall unter unseren Fördermitgliedern hatten wir seit 2006 jetzt einmal. Und es betraf ein bis zuletzt BaFin-beaufsichtigtes Unternehmen, bei dem höchstwahrscheinlich kriminelle Energie mit im Spiel war. Derartiges ist nie völlig auszuschließen, so bedauerlich es ist.

Zu der Frage:
Die Aufnahmekriterien bestimmt in erster Linie die Satzung des AfW. Die Mitgliedschaft erfolgt auf Antrag. Mitglied des Vereins können satzungsgemäß Selbständige, Freiberufler, Arbeitgeber (natürliche und juristische Personen) und Verbände von Arbeitgebern werden, welche einen Bezug zur Finanzdienstleistung haben. Es können Personen (natürliche und juristische) welche sich mit den Zielen und dem Zweck des AfW identifizieren auf Antrag Fördermitglieder werden. Zweck des AfW e.V. ist es die wirtschaftlichen und beruflichen Interessen seiner Mitglieder zu fördern und Dritten gegenüber zu vertreten, und zwar insbesondere durch Erfüllung folgender Aufgaben:

1. seine Mitglieder in sämtlichen beruflichen Angelegenheiten in wirtschaftlicher, rechtlicher und technischer Hinsicht zu beraten, soweit rechtlich zulässig;

2. bei Bedarf Wettbewerbsregeln zu erarbeiten und diese bei der zuständigen Kartellbehörde zur Eintragung gelangen zu lassen;

3. unlauteren Wettbewerb in der geschäftlichen Werbung und jeglicher sonstigen Ausprägung mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu bekämpfen sowie allen Verstößen gegen kaufmännische Gepflogenheiten und Anstand energisch entgegenzutreten;

4. die zuständigen Behörden über die Probleme, Anliegen und Wünsche seiner Mitglieder unterrichtet zu halten;

5. die gesetzgebenden Körperschaften in Bund und Land bei der Ausarbeitung und Vorbereitung einschlägiger Gesetzesvorhaben und Rechtsverordnungen zu beraten und zu unterstützen;

6. mit anderen Wirtschaftsverbänden Beziehungen sowie Informations- und Gedankenaustausch zu pflegen, ihnen bei Bedarf und auf Wunsch möglichst Unterstützung angedeihen zu lassen und gegebenenfalls gemeinsam mit ihnen Belange der Mitglieder wahrzunehmen;

7. durch Öffentlichkeitsarbeit Kontakt zur Presse zu halten, die Medien (Fach- und Publikumszeitungen und -Zeitschriften sowie Rundfunk und Fernsehen) ständig über Probleme, Anliegen und Wünsche des Verbandes und seiner Mitglieder in Kenntnis zu setzen sowie für ein günstiges Bild und Ansehen des Verbandes und seiner Mitglieder in der Öffentlichkeit zu sorgen;

8. die Gewährung von Kostenschutz für Verfahren vor den Zivil-, Finanz-, Arbeits-, Sozial-, Verwaltungs- und Verfassungsgerichten, die für den Verein von grundsätzlicher Bedeutung sind, sowie die Aktivlegitimation zur Führung von Musterprozessen für den Verein.

Die Fördermitgliedschaft soll regelmäßig damit verbunden sein, dass der Verein durch das Fördermitglied in der Durchsetzung seines Vereinszwecks und seiner Ziele unterstützt wird. Über die Aufnahme entscheidet der Gesamtvorstand nach, ggf. auch externer, Prüfung. Hierbei ist jedoch immer klar und wird auch so ausdrücklich kommuniziert, dass eine rechtliche und wirtschaftliche Bewertung der Fördermitglieder oder ihrer Produkte bzw. Dienstleistungen seitens des AfW e.V. mit der Fördermitgliedschaft nicht verbunden ist. Das heißt, wir beauftragen keine Wirtschaftprüfer mit der Prüfung der Geschäftsbücher oder machen zu Produkten eine Plausibilitätsprüfung. Der AfW ist keine Aufsichtsbehörde sondern ein gemeinnütziger Verein, finanziert auch von einem äußerst bezahlbaren Mitgliedsbeitrag.

procontra: Maklerseitig gibt es vereinzelt die Kritik am AfW, dass dieser die Interessen von Einzelmaklern nicht mehr ausreichend vertrete. Wie begegnen Sie dieser Kritik?

Wirth: Mit konkret begründeter  - und nicht nur polemischer - Kritik setze ich mich gern auch konkret auseinander. Das ist hier schwierig, da ich keine konkret geäußerte Kritik herauslesen kann.

Vielleicht eingangs zwei Sprüche, die das Handeln von mir persönlich und auch des AfW als Interessenvertreter der unabhängigen Finanzdienstleister prägen:

„Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche.“ Chè Guevara

„Politik ist die Kunst des Möglichen.“ Bismarck

Daraus ergibt sich aber auch, dass man nicht allen alles recht machen kann. Unmöglich. Zu jedem großen Thema, das wir anfassen, wird es immer auch Stimmen – auch aus der Mitgliedschaft geben – die da vielleicht anderer Meinung sind, als es Verbandslinie ist. Das ist bei eine Vereinigung einer Vielzahl von Personen normal. Auch optimale Ergebnisse sind natürlich nicht immer zu erzielen. Das ist eine Frage der Macht. Je mehr Mitglieder, desto mehr Power, desto mehr optimale Ergebnisse. Meine Erfahrung ist, dass am meisten diejenigen meckern, die selbst nie in einem Verband waren oder wenn, sich nie konstruktiv eingebracht haben. Nur kritisieren ist natürlich schön einfach. Mitmachen, Alternativen aufzeigen, selbst zu gestalten versuchen – das sind doch die notwendigen Punkte. Auch gerade durch die Gründung der Initiative Pools für Makler haben wir einen weiteren Schritt dafür getan, mehr Power zur organisieren.

Fakt ist, dass der AfW ganz erhebliche Schritte im Interesse der Unabhängigen vorangebracht hat. Stetig steigende Mitgliederzahlen beweisen, dass dies durch die Vermittler honoriert wird! Nur ein paar Beispiele aus der Vergangenheit:

Intensive politische Arbeit (häufig mit Anhörung als Sachverständige im jeweils zuständigen Bundestagsausschuss) zu §§ 34 d, 34 e, 34 h, 34f GewO IMD2, MiFid2 – u.a. Durchsetzung der „Alte-Hasen-Regelung“ beim 34 d und 34 f GewO.

BGH Urteil gegen die AOK wegen unzulässiger Versicherungsvermittlung

AVAD-Auskunft kostenlos für AfW-Mitglieder

Mitgliedschaft im Aufgabenwahlausschuss für die IHK-Prüfungen

Mitgliedschaft im BaFin-Fachbeirat

Mitgliedschaft im europäischen Dachverband FECIF

Erfolgreiches BGH Urteil  des Verbandes WIW (Wirtschaft im Wettbewerb) unterstützt vom AfW und dem Verlag markt intern gegen Tchibo, wegen unzulässiger Versicherungsvermittlung

Erfolgreiches BGH Urteil gegen die LVM-Versicherung unterstützt, wegen der Nichtanerkennung einer vorgelegten Maklervollmacht

Jährliche Vermittlerumfrage

Ständige objektive und praxisnahe Information der Mitglieder zu rechtlichen, steuerlichen und sonstigen Fragen der Berufsausübung

Gründung der „Initiative Pools für Makler“

Präsenz mit Informationsangebot und häufig mit Vorträgen zu aktuellen Themen bei den Messen DKM, Pools & Finance, KVK, Hauptstadtmesse, Investmenttage, MMM, etc. pp.

Foto:  Norman Wirth, © AfW

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