Deutsche haben Angst vor der Zukunft

Panorama Berater von Christian Hilmes

„Wovon sollen wir künftig leben?“ Diese Frage ist nur für 38 Prozent der Deutschen beantwortet. Sie sehen sich in der Lage, für die eigene Zukunft finanziell vorsorgen zu können. In Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern ist es nur jeder Vierte.

Die fetten Jahre sind vorbei, denken sich immer mehr Deutsche. „Jeder vierte Bundesbürger ist nicht arm, aber fühlt sich armutsgefährdet“, sagt Zukunftsforscher Horst Opaschowski. „Die Armutsschwelle bedroht zunehmend die mittleren Einkommensbezieher.“ Der aktuelle Aufschwung geht an ihnen vorbei.

Insbesondere Arbeitnehmer mit mittleren Einkommen bangen um den Erhalt ihres Wohlstands. „Hochgerechnet leben mehr als 16 Millionen Menschen ab 14 Jahren in Deutschland zwischen Noch-Wohlstand und Schon-Armut“, erklärt Opaschowski. „Sie fühlen sich vom Wohlstandsleben zwischen Ausgehen, Shopping und Urlaubsreise weitgehend ausgegrenzt.“

Vier Jahrzehnte Zukunftsforschung
Opaschowski war bis 2006 Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg und bis Ende 2010 Wissenschaftlicher Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen. Bereits seit vier Jahrzehnten geht er systematisch den Fragen von Wachstum, Wohlstand, Fortschritt und Lebensqualität nach.

Zusammen mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut Ipsos präsentierte er jetzt den „Nationalen Wohlstandsindex für Deutschland“, der auf einer Umfrage unter 16.000 Bundesbürgern basiert. In diesen Gradmesser fließen Kriterien des ökonomischen, ökologischen, gesellschaftlichen und individuellen Wohlstands ein.

Kein klares Ost-West-Gefälle
Im regionalen Vergleich liegt dieser Index in Bayern und Hamburg mit jeweils mehr als 50 Prozent am höchsten. Den niedrigsten Wohlstand verzeichnen dagegen Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt mit jeweils 33 Prozent.

Einen klaren Ost-West-Gegensatz gibt es aber nicht. Da auch „weiche“ Faktoren wie zum Beispiel Naturnähe und Nachhaltigkeit zählen, liegen die Bundesländer Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern gleichauf mit Hessen und Rheinlad-Pfalz. Diese Regionen kommen jeweils auf Indexwerte von ungefähr 40 Prozent.

Foto: Ipsos