Ist eine BU ersetzbar?

Versicherungen Thema Biometrie von Sebastian Wilhelm

Was tun, wenn der Kunde endlich von der Notwendigkeit einer BU-Vorsorge überzeugt ist, die Versicherer aber abwinken? Mit Dread-Disease-, Erwerbsunfähigkeits-, Unfall- oder Grundfähigkeitsversicherungen lässt sich die Schutzlücke zumindest teilweise schließen.

Es ist keine geringe Herausforderung, Kunden zum Abschluss einer BU zu bewegen. Immerhin geht es um eine jahrzehntelange monatliche Zahlungsverpflichtung, und auch bei einem günstigen Tarif wird damit für die meisten der finanzielle Spielraum spürbar enger. Doch die gewichtigen Argumente für einen tragfähigen Schutz führen dann doch bei vielen zur Einsicht. Damit ist die Kuh allerdings noch nicht vom Eis. Denn zu einem Vertrag gehören (mindestens) zwei, und die Versicherer nehmen nicht jeden.

Gerade den Angehörigen jener Berufsgruppen, die besonders einer Absicherung bedürfen, bleibt der Weg in einen vollwertigen BU-Schutz häufig versperrt. Und auch Antragsteller mit psychischen Vorerkrankungen haben schlechte Karten. Die Statistiken weisen zwar eine relativ hohe Annahmequote aus; ganze 90 Prozent der Anträge führen letztlich zum Vertrag, wenn auch teilweise mit Ausschlüssen und Zuschlägen (siehe Grafik). Noch nicht einmal jeder 20. Aspirant wird abgewiesen. Das ist jedoch noch nicht das ganze Bild. „Mehr als 50 Prozent aller Interessierten haben Probleme, eine passende Police zu bekommen“, hat Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg beobachtet. Für eine hohe Dunkelziffer sprechen vor allem drei Gründe: Es gibt erstens die aussichtslosen Fälle, denen kein Berater ernsthaft empfehlen kann, einen BU-Antrag einzureichen. Dann prüfen gewissenhafte Makler zweitens schon vor Einreichung, wie die Annahmechancen stehen, beispielsweise per Quick-Check. „Immer mehr Versicherer nutzen beispielsweise Tele-Underwriting, Tele-Claiming, Tools zur Risikoeinschätzung direkt im Verkaufsgespräch sowie individuelle Apps“, erläutert Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer der Ratingagentur MORGEN & MORGEN.

Wer eine negative Risikoeinschätzung erhält, ob wegen Vorerkrankungen oder des Alters, taucht dann ebenfalls nicht in der Statistik auf. Und drittens nehmen nicht wenige Kunden wieder Abstand, wenn sie erfahren, wie viel sie konkret berappen müssten. Während Mathematiker oder Diplom-Ingenieure mit weniger als 50 Euro Monatsbeitrag dabei sind, müssen Maurer, Schlosser, Elektriker oder Winzer zwischen 100 und 300 Euro überweisen, auch die 400-Euro-Marke wird bisweilen geknackt. Das verwundert nicht, wenn man sich das Berufsunfähigkeitsrisiko der Hochpreisgruppen anschaut: Bei Gerüstbauern und Dachdeckern etwa beträgt es über 50 Prozent. Im einstelligen Bereich dagegen rangiert es für Architekten und Anwälte. Im Zuge der Anpassung der Tarife an diese Risikostaffelung öffnet sich die Beitragsschere immer weiter – die Voll-BU wird tendenziell elitärer (siehe Grafik). „Gewinner sind ganz klar die Berufe mit dem geringsten Risiko“, so Schinnenburg.

Eine Fülle von Teilabsicherungen. Wer keine vollwertige BU bekommt oder bezahlen kann, muss sich natürlich keineswegs dem Schicksal anempfehlen. Viele Risiken, die zu einer Berufsunfähigkeit führen können, lassen sich auch anderweitig absichern. Der Vorteil: Die Versicherungen kosten meist weniger, viele verzichten auf strenge Gesundheitsfragen und sind unabhängig vom Beruf zu bekommen. Der Nachteil: Sie decken jeweils nur einen Teilbereich ab. Aber ein Netz mit Rissen ist zweifelsohne besser als gar keins. Knüpfen lässt es sich mit Policen für schwere Krankheiten, die Grundfähigkeiten, Erwerbsunfähigkeit, Unfälle oder die gebündelten Multi-Risks.

procontra stellt in Folge die verschiedenen Formen der Absicherung vor.


Seite 2: Erwerbsunfähigkeitsschutz

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