Uli Hoeneß akzeptiert Haftstrafe

Panorama Top News von Markus Rieksmeier

Das Landgericht München hat Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Hoeneß hat die Strafe akzeptiert und geht ins Gefängnis. Zugleich legt er alle Ämter beim FC Bayern nieder.

Entgegen Ankündigungen von Hoeneß‘ Verteidiger nach dem Urteilsspruch, wird Uli Hoeneß keine Revision gegen das gestrige Urteil des Landgerichts München einlegen. Er will die Strafe akzeptieren und die Haft antreten, melden Nachrichtenagenturen übereinstimmend. Zugleich hat Hoeneß den Rücktritt von allen Ämtern erklärt; er wolle Schaden vom FC Bayern abwenden: „Das entspricht meinem Verständnis von Anstand, Haltung und persönlicher Verantwortung“, wird Hoeneß zitiert.

Bevor Hoeneß die Haft antreten kann, muss allerdings auch die Staatsanwaltschaft München auf eine Revision des Strafurteils verzichten: „Wir werden das Anfang kommender Woche entscheiden“, zitieren die Agenturen Staatsanwaltschafts-Sprecher Ken Heidenreich. Bei Revisionsverzicht der Ankläger würde Hoeneß in den kommenden Wochen eine so genannte Einladung zum Haftantritt in der Justizvollzugsanstalt Landsberg erhalten, erläuterte Gerichtssprecherin Andrea Titz.

27 Millionen hinterzogen
Zu dreieinhalb Jahre Gefängnis war der Vereinspräsident und Aufsichtsrats-Vorsitzende des FC Bayern am Donnerstag verurteilt worden. Dies ist die Strafzumessung des Landgerichts München I, welches von einer Steuerhinterziehung in Höhe von mindestens 27,2 Millionen Euro ausgeht. Hoeneß‘ Verteidiger Hanns W. Feigen hatte diese Hinterziehungssumme während des Prozesses im Münchener Justizpalast als Feststellung „akzeptiert“. 

In seinem Schluss-Plädoyer hatte Feigen eine Bewährungsstrafe für seinen Mandanten Hoeneß beantragt; freilich dürfen laut Strafprozessordnung nur Haftstrafen bis zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Die Ankläger hatten fünfeinhalb Jahre gefordert. Das Gericht unter Vorsitz des Richters Rupert Heindl fand mit dreieinhalb Jahren ein Urteil in der Mitte der Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung.

Widersprüche zur Compliance der Industrie-Aktionäre
Im Kern erfolgte das Hafturteil deswegen, weil das Gericht die (normalerweise) strafbefreiende Selbstanzeige Hoeneß‘ vom Januar 2013 als unwirksam wertet; vor allem sei diese unvollständig gewesen. Tatsächlich entstand die Selbstanzeige unter großem Zeitdruck und in der Sorge, Magazine wie „Stern“ und „Focus“ würden die Steuerhinterziehung öffentlich machen. Hoeneß bleibt vorläufig auf freiem Fuß; der seit vergangenem Jahr bestehende Haftbefehl bleibt ausgesetzt.

Club, Sponsoren wie die Deutsche Telekom und Anteilseigner wie Audi, Adidas und Allianz hielten sich nach der Urteilsverkündung am Donnerstag bedeckt. Von keinem dieser Beteiligten waren Stellungnahmen zum Urteil und zur Vereinszukunft von Hoeneß erhältlich. Noch am Abend gab es eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung des FC Bayern, der für den heutigen Freitag eine Pressemitteilung angekündigte. Fragen, so viel wurde vorab bekannt, wolle man aber nicht beantworten.

Für den Wirtschaftsethiker und Experten für gute Unternehmensführung (Compliance), Prof. Manuel René Theisen, kommt die Aufsichtsratssitzung der FC Bayern AG neun Monate zu spät. Bisher hatte es von Seiten der Anteilseigner Audi oder Adidas geheißen, man wolle den Prozessverlauf abwarten. Das hält Experte Theisen für unmöglich. Hoeneß‘ Verbleib als Aufsichtsrats-Vorsitzender der FC Bayern AG sein „nach den Compliance-Richtlinien aller großen beteiligten Unternehmen schlichtweg ausgeschlossen“.

Foto: von Harald Bischoff (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons [http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AUli_Hoene%C3%9F_2503.jpg]