Debeka, Schnipsel und Geldstöße

Versicherungen Top News von Markus Rieksmeier

Ein Geschäftsstellenleiter des Beamtenversicherers soll seine Mitarbeiter für deren Beamtenwerbung „Motivation durch Provision“ empfohlen haben. Mehrfach soll er unter diesem Motiv entsprechende Vorträge vor seiner Mannschaft gehalten haben.

Offenbar kommt die Debeka beim internen Durchforsten der durchaus umstrittenen Vertriebsmethoden vor allem in der Beamtenschaft ein Stück weiter, berichtet das „Handelsblatt“ (HB). Demzufolge hat ein Geschäftsstellenleiter, der im Debeka-Mutterland Rheinland-Pfalz für den Versicherer tätig sein soll, seinen Mitarbeitern „Geldstöße und kreativen Gesten“ empfohlen. Auf diese Weise sollten Tippgeber für die Versicherung geworben werden, heißt es.

Die betreffende Führungskraft sei inzwischen „zunächst für die Dauer der internen Untersuchungen … freigestellt“ worden, wird ein Sprecher der Debeka von der Zeitung zitiert. Auch handle es sich bei dem kritisierten, umstrittenen Vorgehen des Mitarbeiters um dessen „persönliche Philosophie“, habe die Debeka betont. Allerdings wurde diese „persönliche Philosophie“ den Mitarbeitern der betreffenden Führungskraft offenbar wiederholt zuteil; der inhaltlich beanstandete Vortrag soll laut HB „mehrfach“ in der beschriebenen Weise gelaufen sein.

„Motivation durch Provision“
Eine zentrale Aussage des beurlaubten Geschäftsstellenleiter sei die Einleitung gewesen. Laut dem Zeitungsbericht so: „Sie müssen nur immer die Personalabteilungsleiter der Dienststelle oder leitende Angestellte bekommen, das sind die Besten. Die schieben Ihnen die meisten Personendaten zu und davon werden Sie zukünftig leben“. Sozusagen als Motto der Veranstaltung sollten sich die Mitarbeiter merken: „Motivation durch Provision!“.

Pikant bleibt in diesem Zusammenhang ist die „über viele Jahre durchgängig und flächendeckende Bevorzugung der Debeka“ beim Zugang in Beamtengebäude. So lautet die Einschätzung eines Mitbewerbers aus dem Kreis der Beamtenversicherer. Oft sei die Debeka bei Gewerkschafts- oder Verbandsveranstaltungen des Öffentlichen Dienstes „wie ein Exklusivpartner“ behandelt worden – „regelmäßig ohne sachlichen Grund“, ergänzt der Branchenkenner, der seinen Namen nicht genannt wissen möchte.

Umstrittener Status „Selbsthilfe-Einrichtung“
Generell hatte sich die Debeka, der das „Handelsblatt“ Bestechung vorwirft, wiederholt auf einen Status als „Selbsthilfe-Einrichtung“ berufen. So betitelte Institutionen haben seit jeher einen einfacheren Zugang zu internen Veranstaltungen und Räumlichkeiten im Öffentlichen Dienst. Inzwischen hat aber das Bundes-Innenministerium festgestellt: „Es gibt keine Selbsthilfe-Einrichtungen…“. Auch procontra hatte diesen Sachverhalt zuvor so recherchiert - und berichtet.

Gegen die Debeka ermitteln derzeit die Staatsanwaltschaft Koblenz wegen des Verdachts der Bestechung und der rheinland-pfälzische Datenschutz-Beauftragte wegen angeblich illegalen Datenhandels, den so genannten Adress-Schnipseln mit Personendaten von Beamten - vor allem Anwärter als begehrte Neukunden. Nun droht ein hohes Bußgeld. Auch das Unternehmen selbst durchforstet gerade seine Vertriebsprozesse. Mitarbeiter können Missstände auch über einer internen Whistleblower-Hotline melden.

Foto: Debeka Landesgeschäftsstelle Berlin, © Debeka

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