Prokon lässt grüßen: Windwärts Energie pleite

Sachwerte Top News von Christian Hilmes

Die Windwärts Energie GmbH hat beim Amtsgericht Hannover die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Der Fall erinnert an die Prokon-Pleite vor wenigen Wochen. Denn wieder droht Anlegern der Totalverlust ihrer Investitionen in Genussrechte.

Wie die Projektentwicklungsgesellschaft für Windenergie aus Hannover auf ihrer Internetseite mitteilt, musste das Unternehmen im vergangenen Dezember die Rückzahlung von Genussrechtskapital in Höhe von 1,9 Millionen Euro aussetzen und auf unbestimmte Zeit verschieben. „Im Januar konnte Windwärts die fälligen Zinszahlungen für insgesamt vier zwischen 2006 und 2013 aufgelegte Unternehmensgenussrechte in Höhe von insgesamt 1,3 Millionen Euro ebenfalls nicht auszahlen.“

Windwärts-Geschäftsführer Lothar Schulze habe den Insolvenzantrag eingereicht, nachdem eine Wirtschaftskanzlei in einem Ende Januar in Auftrag gegebenen Rechtsgutachten feststellte, dass die Rückzahlungsansprüche der Genussrechtsinhaber bei der Prüfung der Zahlungsunfähigkeit berücksichtigt werden müssen. Das habe der bisherigen Rechtsauffassung des Unternehmens nach Firmenangaben widersprochen.

Unternehmen will es noch einmal probieren
„Die bereits im vergangenen Jahr eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen und die guten Aussichten der laufenden Projekte stimmen mich zuversichtlich für die Zukunft des Unternehmens“, sagt Schulze. Das deutsche Insolvenzrecht böte „große Chancen für Unternehmen mit guter Substanz“. Der Geschäftsbetrieb soll vom vorläufigen Insolvenzverwalter Volker Römermann fortgeführt werden.

In den vergangenen Wochen hat Windwärts nach Angaben von Firmensprecher Stefan Dietrich „intensive Gespräche mit Banken geführt, um auch die Unternehmens- und Projektfinanzierung auf eine neue Grundlage zu stellen.“ Wirtschaftsprüfer hätten demnach ein Liquiditätsgutachten erstellt, das eine positive Prognose für die Fortführung erwarten lasse.

Fonds sind nicht von Insolvenz betroffen
„Die Betreibergesellschaften der Windenergie- und Solarprojekte, die von Windwärts über geschlossene Fonds realisiert wurden, sind rechtlich unabhängig und daher von diesem Insolvenzverfahren nicht unmittelbar betroffen“, erklärt Dietrich.

Neben Privatplatzierungen und Genussrechten mit einem Zeichnungsbetrag von mindestens 1.000 Euro bot Windwärts auch geschlossene Fonds an, die das Unternehmen selbst konzipierte und emittierte. Mit einer Einlage von mindestens 3.000 Euro konnten Anleger, die auf erneuerbare Energien setzen, in 16 Windkraft- und vier Photovoltaik-Fonds investieren. Der letzte Windwärts-Fonds startete vor drei Jahren.

Foto: Windwärts Energie GmbH

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