„PKV langfristig nicht überlebensfähig“

Versicherungen von Christian Hilmes

Angesichts der alternden Gesellschaft in Deutschland reichen die Rücklagen der PKV nicht aus, um die Versicherten zu versorgen. Das sagt zumindest Dr. Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse (TK). Die PKV-Anbieter sehen das komplett anders.

„Spätestens in 20 Jahren ist Schluss“, zitiert die Berliner Zeitung den TK-Vorstandsvorsitzenden Baas in einem aktuellen Interview. Dann werde die Politik die finanziellen Probleme der privaten Krankenversicherung (PKV) auf die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) überwälzen, so der Chef des deutschlandweit zweitgrößten GKV-Anbieters aus Hamburg weiter. 

Der studierte Mediziner und Ex-Unternehmensberater für private Versicherungsunternehmen schlägt stattdessen vor, dass jeder Privatversicherte dauerhaft das Recht bekommt, in eine gesetzliche Kasse zu wechseln. „Aus den Rücklagen zahlt die Privatversicherung dann der Kasse als Ausgleich eine Art 'Rente' für den Rückkehrer“, so Baas.

Weniger GKV-Leistungen zu erwarten
Stephan Caspary, Sprecher des Verbands der Privaten Krankenversicherung, wollte diese jüngsten Äußerungen nicht direkt kommentieren. Einer Studie des PKV-Verbands zufolge bedroht der demografische Wandel aber vor allem die umlagefinanzierte GKV. Denn der Bevölkerungsanteil der 20- bis 66-Jährigen, die die Sozialversicherungen zum Großteil finanzieren, dürfte in den kommenden Jahren besonders stark schrumpfen.

Bleibt das Gesundheitswesen wie es ist, müssen Kassenpatienten mit weniger Leistungen auskommen, lautet das Fazit von Professor Fritz Beske. Der Gesundheitsökonom gibt zwar zu, dass der medizinische Fortschritt die Kostensteigerungen begrenzen könnte. Doch selbst im günstigsten Fall müssten Erwerbstätige bei Fortbestand des heutigen Systems im Jahr 2060 rund die Hälfte ihres Einkommens an ihre GKV abdrücken.

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Foto: Techniker Krankenkasse