Allianz-Rentenkompass: Makler bleiben teilweise außen vor

Florian Burghardt Versicherungen Digital

Während die Bundesregierung noch tüftelt, hat die Allianz heute ihre Version einer säulenübergreifenden Renteninformation vorgestellt. Für Kunden und Vertreter bietet sie viele Möglichkeiten. Makler bleiben teilweise außen vor.

Ist der Rentenkompass der Allianz Lebensversicherung eine ernstzunehmende Konkurrenz für die geplante säulenübergreifende Renteninformation der Bundesregierung?

Ist der Rentenkompass der Allianz Lebensversicherung eine ernstzunehmende Konkurrenz für die geplante säulenübergreifende Renteninformation der Bundesregierung? Bild: Allianz

Seit Jahren werkelt die Politik an einer säulenübergreifenden Renteninformation. Nun ist ihr die Allianz zuvorgekommen. Bereits im Juni hatte Deutschlands größter Lebensversicherer, und damit ein Schwergewicht in Sachen Altersvorsorge, seinen „Rentenkompass“ an den Start gebracht. Seit diesem Silent Launch, also einem Start ohne Bewerbung oder Presseinformationen, hatten sich bereits rund 68.000 Nutzer angemeldet. Darunter etwa 50.000 Kunden und 10.000 Interessenten.

Das neue Tool soll den Nutzern anzeigen, wie viel Geld sie nach jetzigem Stand im Alter zur Verfügung haben werden. Dabei werden alle Säulen der Altersversorgung eingerechnet: Gesetzliche Rente, private Altersvorsorgeverträge, betriebliche Altersversorgung (bAV) und als zusätzliche Kategorie Immobilien und weitere Kapitalanlagen wie Aktien oder Fonds.

Individuell befüllen

Zugang erhalten die Nutzer über das Kundenportal des Versicherers „Meine Allianz“ oder einfach über die Internetseite Rentenkompass.de. Bestehende Verträge bei der Allianz können dann automatisch hinterlegt werden. Die prognostizierten gesetzlichen Bezüge sollen in einem späteren Schritt einfach durch ein Handyfoto des Renteninformationsschreibens eingefügt werden. „Andere Verträge, aber auch Informationen zu Immobilien, die als Altersvorsorge angesehen werden, können die Kunden ganz nach ihrer Vorstellung mit eintragen“, erläuterte Alf Neumann, im Vorstand der Allianz Lebensversicherung zuständig für Digitalisierung, das Konzept heute in einer Online-Pressekonferenz.

Im unternehmenseigenen Modell sieht Neumann Vorteile gegenüber der geplanten staatlichen Variante. Anders als bei dieser geplant, könne der Rentenkompass auch relativ konkrete Nettobezüge im Alter abbilden. Anhand von Simulationen könne der Kunde außerdem darstellen, wie sich sein Einkommen im Rentenalter verändern würde, wenn er einen weiteren Vertrag abschließt, kündigt oder laufende Beiträge verändert.

Makler teilweise außen vor

Zudem ist, laut Neumann, in der staatlichen Renteninformation nicht vorgesehen, aus dem eigenen Account heraus eine persönliche Beratung zu vereinbaren. Diese Option werde man mit dem Rentenkompass aber anbieten. Wer bereits einen Betreuer für seine Verträge hat, bekommt diesen angezeigt. Das können auch Makler sein. Wer noch niemanden hat und eine Beratung wünscht, dem werden ausgewählte Allianz-Vertreter vorgeschlagen. Makler werden hier nicht angezeigt. „Bei der Vermittlung von Beratungsgesprächen haben wir die eigenen Vertreter im Fokus“, antwortete Neumann auf procontra-Nachfrage.

Als typische Nutzung des Rentenkompass durch Makler sieht man bei der Allianz die Variante, dass die unabhängigen Vermittler Kunden auf ihren Internetseiten auf das Tool aufmerksam machen. Schließlich würden die meisten Kunden heute erst online recherchieren, ehe sie eine Versicherung abschließen. Danach könnte man dann mit den Nutzern ins Gespräch über die Ergebnisse kommen. Sofern ein Nutzer einem Berater, auch seinem Bestandsbetreuer, Zugang zu seinen Rentenkompass-Daten geben möchte, müsse er ihm das in jedem Fall erst bestätigen.

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