Vermögensverwalter sehen sich im Aufwind

Berater von Christian Hilmes

Die Zahl der Vermögenden in Deutschland wächst und wächst. Seit 2013 leben in Deutschland erstmals über eine Million Millionäre. Kein Wunder, dass bankenunabhängige Vermögensverwalter ihre Chance wittern.

„Groß- und Privatbanken kämpfen im Geschäftsfeld der Vermögensverwaltung seit einigen Jahren mit einer stetig wachsenden Regulierung, Kostendruck und Kundenunzufriedenheit. Das ist das ideale Wettbewerbsumfeld für eine bankenunabhängige Vermögensverwaltung“, sagt Cyrus Moriabadi, Gründungsvorstand des Landert Family Offices aus Zollikon im schweizerischen Kanton Zürich, welches aktuell zwei ehemalige Anlageexperten des Bankhauses Sal. Oppenheim, nämlich Wolfgang Sawazki und Matthias Jörss, als Leitung für seine deutsche Niederlassung in Köln verpflichtet hat.

Vermögende Anleger suchten zunehmend nach einer unabhängigen Anlagemeinung und Umsetzung ohne Interessenkonflikte. Dabei ist die Beratungsqualität der Privatbanken und großen Vermögensverwalter per se nicht schlecht. Das offenbarte eine Studie des Deutschen Institut für Service-Qualität, in der 26 Vermögensverwalter in Deutschland mit verdeckten Beratungstests unter die Lupe genommen wurden. Testsieger wurde die Privatbank Berenberg, gefolgt von HSBC Trinkaus und Credit Suisse Deutschland.

Dem Institut zufolge fiel die Gesamtbewertung der Branche nur befriedigend aus. Nur etwas mehr als die Hälfte der Institute überzeugte mit einer guten oder sehr guten Beratung. So gingen bereits im telefonischen Erstkontakt zwei Drittel der Gesprächspartner nicht individuell auf die Interessenten ein.

Und auch bei der Beratung vor Ort gehörte die mangelnde Individualität zu den größten Schwächen. Die Mehrheit der Berater nahm sich nicht genügend Zeit für ihre Kunden und erklärte den Nutzen der empfohlenen Produkte nicht ausreichend.

Die Bedarfsanalyse fiel ebenfalls häufig nicht sehr gründlich aus. So wurde etwa die Vermögenssituation des Kunden in mehr als einem Drittel der Fälle nicht angemessen berücksichtigt.

Große Qualitätsunterschiede zeigten sich bei den auf Bitte des Testkunden um einen Anlagevorschlag erhaltenen schriftlichen Informationen und auch hier waren die Interessen der Kunden oft nicht berücksichtigt.

Auch spezielle Anliegen wie eine beabsichtigte Firmengründung und ein Immobilienerwerb griffen nur 40 Prozent der erhaltenen schriftlichen Informationen auf. Darüber hinaus vernachlässigte jedes fünfte Institut sogar die transparente Darstellung der anfallenden Kosten.

Foto: © Sergejs Rahunoks - Fotolia.com

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare