Rechnungszins soll weiter sinken

Versicherungen Berater Top News von Markus Rieksmeier

Die Aktuarvereinigung empfiehlt ab 2015 einen reduzierten Lebensversicherungs-Rechnungszins von 1,25 Prozent. Hintergrund dieses Vorschlags ist das anhaltend niedrige Zinsniveau im Euroraum. Noch gibt es eine Schonfrist.

Bei der alljährlichen Überprüfung des Lebensversicherungs-Rechnungszinses haben die mathemathischen Sachverständigen der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) wieder die Umlaufrenditen der Euro-Staatsanleihen bewertet. Neue Anleihen mit Spitzenratings, eigentlich nur diese „mündelsicheren“ Wertpapiere dürfen die Lebensversicherer kaufen, stagnieren zurzeit bei etwa 1,6 Prozent. Der für die Empfehlung der DAV wichtige Mittelwert der Umlaufrenditen der vergangenen zehn Jahre liegt knapp unter drei Prozent. 

Von diesem Mittelwert dürfen die Versicherer nach dem Gesetz 60 Prozent als Höchstrechnungszins garantieren, so dass der aktuelle Rechnungszins mit 1,75 Prozent gerade noch angemessen ist. Aber durch die kontinuierliche Herausrechnung „guter“ Anlagejahre mit höheren Zinsen sinkt der Zehnjahres-Durchschnitt seit Jahren fortgesetzt. Der jetzt vorgeschlagene Rechnungszins von 1,25 Prozent bedeutet, dass die Sachverständigen mittel- bis langfristig nur von 2,0 statt heute noch 3,0 Prozent Zehnjahres-Zinsdurchschnitt ausgehen.

Entscheidung soll überprüft werden
Die DAV will die weitere Zinsentwicklung genau beobachten und ihre Zinsempfehlung von 1,25 Prozent im Laufe des Jahres noch einmal überprüfen. Laut DAV soll bei einer „Veränderung der Rahmenbedingungen“ für die langfristigen Kapitalmarktzinsen, gegebenenfalls eine korrigierte Zinsempfehlung werden. Allerdings stehen die Chancen auf höhere Zinsen für künftige LV-Kunden eher schlecht, seit die Europäische Zentralbank EZB den Leitzins kürzlich auf 0,25 Prozent senkte.

Der GDV-Verband warnt aus Versicherer-Perspektive vor einer „übereilten“ Senkung des Rechnungszinses bereits ab 2015, dies würde Vorsorgeanreize an die Bürger „mindern“. Und zum Zinsniveau schreibt der Verband, aus den USA kämen „Signale“, dass die lockere Geldpolitik bald enden könne, weil die US-Notenbank Fed den Aufkauf von Staatsanleihen schrittweise zurückfährt.

Auf Biometrie umschalten
Mit einer endgültigen Entscheidung zum LV-Rechnungszins wird im Sommer gerechnet. Dann gibt die DAV ihre Empfehlung an das Bundesfinanz-Ministerium, das den Rechnungszins seinerseits per Rechtsverordnung festlegt. Für die Vermittler bedeutete ein sinkender Rechnungszins, künftig im Kundengespräch noch stärker die Versicherungsfunktion gegen das Langlebigkeits-Risiko zu betonen. Dieses und andere biometrischen Risiken können nur Versicherer decken – keine Bank und keine Bausparkasse.

Foto: © Andy Dean - Fotolia.com

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