Lebensversicherung muss sich neu erfinden

Versicherungen von Markus Rieksmeier

Die Versicherungsaufsicht BaFin mahnt die Lebensversicherer zur Innovation und Vorbereitungen auf die weitere Regulierung. Überschüsse seien behutsam zu verteilen. LV-Industrie und Verbraucher stehen beide vor einem Spagat zwischen Risiko und Chance.

Auf dem Neujahrsempfang für die Presse hat Elke König als Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) neue Weichenstellungen bei der Produktgestaltung der Lebensversicherer gefordert: „Die Versicherer müssen differenziertere Angebote entwickeln und das Produkt Lebensversicherung in Teilen neu erfinden und“. Hierbei sei die „vielleicht spannendste Frage“, wie die Branche den „Spagat zwischen klassischen Garantieprodukten und rein fondsgebundenen Produkten“ bewältigt.

Mit Blick auf garantierten Klassik- und riskanteren Fondspolicen meint König, es müsse „intelligente, ausgewogene Lösungen zwischen beiden Extremen geben“. Das Anlagerisiko des Sparers sollte begrenzt, seine Altersvorsorge berechenbar und das Produkt transparent und verständlich sein. In etwa so fasste Elke König die Kriterien für Altersvorsorge-Produkte zusammen. Ohne Namen wie Allianz „Perspektive“ oder Ergo „Garantie“ zu nennen, beide Produkte sind ohne Zinsgarantien, ermutigte die BaFin-Chefin die Branche zu weiteren dieser „ersten Schritte“ in Richtung differenzierter Produkte und Garantien.

Es geht um die Zukunft der Lebensversicherung
Sie könne die Lebensversicherer auf dem Weg zu neu gestalteten Produkten „nur ermutigen, auf diesem Weg weiterzugehen, denn es geht um ihre Zukunft – und um die eines der wichtigsten Produkte der Altersvorsorge“. König verband diese Aussage mit dem Hinweis auf die „nicht enden wollende Niedrigzinsphase“. Kurz- und mittelfristig könne die LV-Wirtschaft ihre Leistungsversprechen zwar erfüllen, dennoch müssten weitere Weichen für die Zukunft gestellt werden, damit die Lebensversicherung nicht „aufs falsche Gleis“ gerät.

Hierzu habe der Gesetzgeber bereits eine „entscheidende Weiche“, in dem die Lebensversicherer seit drei Jahren Zusatzreserven aufbauen müssten; allein im Jahr 2013 fast sechs Milliarden Euro. Dazu müssten auch künftig „etwaige“(!) Dividendenzahlungen behutsam bemessen“ sein. Zu diesem Ganzen müsse aber auch der Gesetzgeber beitragen und bei den Bewertungsreserven eine gerechte Verteilung regeln. Nur dann könnten, ja müssten sich (nicht nur) die Lebensversicherer auf die strengeren „risikosensitiven“ Eigenkapitalregeln der Zukunft (Solvency II) einstellen.

Auch der Verbraucher ist gefordert
Trotz strengerer Prüfkriterien käme man den Versicherern mit dem „Long Term Guarantee Package“ (Langzeitprüfung von Garantie-Verpflichtungen) entgegen, weil hier längerjährige Übergangsvorschriften gelten sollen (die Verhandlungen zu Solvency II laufen noch). Und an die Verbraucher gerichtet sagte Elke König, auch diese seien gefordert. Trotz verbessertem Verbraucherschutz müsse jeder Sparer den Zusammenhang von Rendite und Risiko verstehen. Man solle nur Produkte kaufen, die man versteht und dafür „mindestens so viel Zeit investieren wie in die Anschaffung eines Smartphones“.

Foto: © Denys Rudyi - Fotolia.com

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