Frauen wünschen sich Finanzempfehlungen

Versicherungen Berater Top News von Markus Rieksmeier

Junge Frauen haben im Vergleich zu Männern ein wesentlich größeres Absicherungsbedürfnis. Auch stehen Frauen Versicherungs-Abschlüssen offener gegenüber. Sie folgen aber eher dem Rat des Vermittlers und kaufen weniger im Internet.

Folgt man den Erkenntnissen einer neuen Studie der Kölner Marktforscher von YouGov, dann müssen die Versicherer sich stärker um Online-Abschlüsse bei Frauen bemühen. Der weibliche Teil der potenziellen Kundschaft wird eher über die persönliche Ansprache erreicht. Der Studie zufolge wünschen Frauen aber nicht nur das Beratungsgespräch; sie schätzen auch den persönlichen Rat des Fachmannes oder der Fachfrau. Umgekehrt sollte die Assekuranz sich wieder um den persönlichen Kontakt zu männlichen Kunden bemühen.

Insgesamt, sagt die Studie, seien junge Männer über das Internet eher zu erreichen. Aber da dort vor allem preissensible Kunden suchen, gefährdet der zunehmende Marktanteil des Internets die Margen der Assekuranz. Grundsätzlich übersteigt das Absicherungsbedürfnis der Frauen das der Männer deutlich. YouGov befragte für seine Erhebungen etwa 2.000 Menschen unter 35, also durchaus die Kundengruppe, deren Geld demnächst für den größten Umsatz sorgen soll. Und das sind die Menschen, die vorsorgen müssen.

Risikoschere
Vom Verkaufserfolg her, sind die Versicherer bei den Frauen erfolgreicher. Der Studie zufolge haben 71 Prozent jungen Frauen eine Haftpflichtversicherung. Bei den Männern seien es nur 68 Prozent. Diese drei Prozentpunkte mögen dem Betrachter nur einen geringen Unterschied anzeigen. Dennoch verwundert die geringere Versicherungsquote, weil Männer durch Beruf oder Hobby „eher risikogefährdet“ sind, sagt YouGov. Diese Risikoschere aus höheren persönlichen Gefahren und geringerer Versicherungsquote zeigt einen erheblichen Nachholbedarf beim Versicherungsschutz der jungen Männer.

Insgesamt sind die jungen Leute bis 35 schlechter gesichert, als der gesamte Durchschnitt aller Deutschen, die zu immerhin 79 Prozent eine private Haftpflichtversicherung haben. Auch in anderen Sparten fand YouGov Lücken. So sei die Versorgung bei Hausrat und Rechtschutz „schwach“, konstatieren die Marktforscher; besonders gelte dies aber für die Altersvorsorge, weil nur rund 40 Prozent der jungen Menschen entsprechende Vorsorgeprodukte wie Riester & Co abgeschlossen hätten.

Erledigungsmentalität
Warum bevorzugen vor allem Frauen die persönliche Beratung? YouGov hat den Grund in einer größeren Unsicherheit bei der weiblichen Kundschaft ausgemacht. Frauen bräuchten für ihre Kaufentscheidung eher den persönlichen Rat eines Menschen, dem sie vertrauen. Aus diesem Grund sollten Versicherer bei Frauen stärker auf die persönliche Ansprache setzen. Dies gilt bei den Männern natürlich auch. Nur ist der Grund für die Ansprache von Männern ein anderer. Die „beraten“ sich gern selbst und wissen sozusagen gar nicht, was sie nicht wissen.

Und weil Männer ihre Risiken eher weniger problematisieren, kaufen sie auch lieber schnell und unkompliziert im Internet. Psychologen, die sich mit Finanz-Psychologie (Behavioral Finance) befassen, sprechen in diesem Zusammenhang von einer Erledigungsmentalität: schlecht erledigt, aber erledigt. Diese Mentalität, die bei Frauen weniger ausgeprägt ist, ist hat nichts mit dem Einkommen der Männer zu tun. Auch komplizierteste Praxisfinanzierungen will der junge Arzt genauso „erledigt“ wissen, wie der einfache Fabrikarbeiter „seinen Riester". Etwa so kann man frühere Forschungen zum Finanzverhalten der Bürger zusammenfassen. Dementsprechend hilft gegen finanziellen Analphabetismus bei jungen Menschen: Die Ansprache durch den Fachmann oder die Fachfrau.

Foto: © Nomad_Soul - Fotolia.com