Die Rentenreform als Beratungsanlass

Berater Top News von Markus Rieksmeier

Bis zum 1. Juli will Sozialministerin Nahles die Rentenreform der Großen Koalition in Kraft setzen. Trotz großer Haushaltslast dieser Reform werden die Wirkungen beim Bürger gering sein. Vermittler sollten die Reform als Gesprächsanlass nutzen.

Ein Versprechen aus dem Koalitionsvertrag scheint sich sehr schnell zu erfüllen. Die neue Sozialministerin Andrea Nahles will Nägeln mit Köpfen machen und gesteigerte Mütterrenten, die Rente mit 63 und die Erwerbsminderungs-Rente erhöhen. Bis Juli will Nahles die sozialen Segnungen bei der Rente durch den Bundestag gepaukt haben, dem Nahles bis Ende Februar einen ersten Gesetzentwurf präsentieren will.

Aus Kreisen der Bundestagsfraktion heißt es, man brauche im Parlament „mindestens drei Monate zur Beratung", berichtet „RP-Online“. Union und SPD sind sich nämlich bei den Details noch nicht einig, so bei der Finanzierung des Rentenpakets. In den ersten vier Jahren sollen die Mehrkosten vom Überschuss der Deutschen Rentenversicherung (DRV) getragen werden. Ab 2018 will Nahles den Steuerzuschuss an die DRV erhöhen. Rentensystematisch kann man darüber trefflich streiten. Politisch gesehen: Im Herbst 2017 sind Bundestagswahlen.

Das Rentenpaket und die Beratungsansätze der Vermittler

Für jede der drei Hauptmaßnahmen des Rentenpakets ergeben sich für Makler & Co. konkrete Gesprächsanlässe bei den Bestandskunden:

Abschlagsfreie Rente mit 63
Wer demnächst 45 Beitragsjahre in der DRV vorweisen kann, soll dann bereits bis mit 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen. Auch wenn die konkrete Anrechnung von Arbeitslosigkeit noch nicht ganz klar ist, bis zu fünf Jahre sind geplant, lohnt heute schon ein Blick in den Versicherungsverlauf. Bei jüngeren Kunden kann der Finanzberater auch anbieten, bei deren „rentennahen“ Eltern einmal in den Versicherungsverlauf zu blicken.

Allerdings dürften Kunden, die mit 63 abschlagsfrei in Rente dürfen, überrascht sein. Dadurch steigt der gesamte Altersvorsorgebedarf des Kunden, weil im Vergleich zu Rentenalter 67 vier Jahre weniger Sparzeit für die Privatvorsorge zur Verfügung stehen. Die Rente mit 63 erhöht den privaten Sparbedarf: Um 100.000 Euro Vermögen aufzubauen, muss ein Sparer bei 4 Prozent Zins und 30 Jahren Sparzeit rund 150 Euro zurücklegen. Benötigte er das Geld vier Jahre früher, mit 63 statt 67, stiege seine Sparleistung auf über 180 Euro.

Mütterrente
Frauen, die ihre Kinder vor 1992 geboren haben, sollen künftig einen Rentenpunkt, im Westen rund 28 Euro, im Osten etwa 26 Euro, mehr Rente erhalten. Offen ist noch die Finanzierung dieser Wohltat, weil allein diese Reform pro Jahr etwa 6,5 Milliarden Euro kosten wird. Aber alle Mütter mit Kindern über 22 freuen sich auf die Information ihres Finanzberaters. Vor allem, wenn dieser ihre Renteninfo „live“ korrigiert.

Bei vielen jungen oder „alten“ Müttern fehlt übrigens in der Renteninformation die Zeile „Zeiten der Kindererziehung“, weil sie diese Zeiten noch nicht beantragt haben. Dann hilft die DRV-Broschüre „Kindererziehung – Ihr Plus für die Rente“ Kunden und Berater weiter. Dort steht, wie die Mütter ihre Kindererziehungszeiten beantragen können. Für die private Vorsorge „älterer“ Mütter bedeuten aber 26 oder 28 Euro Rentenzuschlag lediglich, dass die Versorgungslücke um diesen Wert sinkt. Die erhöhte Mütterrente ist also ein guter Anlass für Informationen und eine (wiederholte) Vorsorgeberatung.

Verbesserte Erwerbsminderungsrente
Wenn die Regierungspläne zum Gesetz werden, dann endet die Zurechnungszeit bei Erwerbsminderung künftig erst mit 62 statt bisher 60. Ein Durchschnittsverdiener mit gut 2.800 Euro brutto bekäme dadurch etwa 25 Euro mehr Halbe Erwerbsminderungsrente. Also ist auch diese geringe Leistungserhöhung für jeden erwerbstätigen Kunden ein guter Anlass den Bedarf bei Berufsunfähigkeit (nochmals) unter die Lupe zu nehmen.

Insgesamt lohnen die drei geplanten Haupt-Änderungen des Rentenpakets für die Ansprache des Kunden, weil die damit verbundene Beratung des Maklers nochmals den privaten Vorsorgebedarf der Menschen offenlegt. Die Chance können Vermittler für ihre Kunden und für ihren Umsatz buchstäblich realisieren.

Service:
Hier geht es zur Broschüre „Kindererziehung – Ihr Plus für die Rente“ der Deutschen Rentenversicherung.

Foto: Bundesministerin Andrea Nahles, spdfraktion.de (Susie Knoll / Florian Jänicke)

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