Clerical Medical muss zahlen

Versicherungen von Markus Rieksmeier

Nach einem neuen Landgerichtsurteil muss der britische Lebensversicherer Clerical Medical einen Auszahlungsplan erfüllen - und zahlen. Mit dieser Entscheidung werden die Hebelmodelle der Clerical Medical buchstäblich ausgehebelt.

Der Kläger hatte bei der Clerical Medical (CMI) zwei fondsgebundene Lebensversicherungen abgeschlossen, die jeweils eine regelmäßige Auszahlung versprachen. Das Hebelmodel sah vor, dass die Auszahlungen aus der ersten Lebensversicherung die Beiträge der zweiten Police abdecken. Die Auszahlungen der zweiten Versicherung sollten später als Rente fließen. Aber Police Nummer eins hatte nicht genug Masse, um Police zwei zu bedienen.

Und deswegen stellte die CMI die Ausschüttungen ein beziehungsweise kürzte diese. Dagegen klagte der Kunde und bekam Recht, berichtet die Rechtsanwaltskanzlei GRP Rainer Urteil (Az.: 10 O 3207/13; noch nicht rechtskräftig). Das Landgericht München II verdonnerte CMI zur Erfüllung des Auszahlungsplans. Aus den Informationen der CMI „gehe nicht hervor, dass die Auszahlung an eine Bedingung geknüpft sei“. Auch sei der Kunde hierüber während der Beratung nicht aufgeklärt worden; auch nicht darüber, „dass es zu einem Kapitalverzehr komme“.

Lange Liste an Verurteilungen
In den Jahren 1998 bis etwa 2006 hatte CMI auf dem deutschen Versicherungsmarkt für Furore gesorgt, indem sie kreditfinanzierte Sparpläne in Form von zwei (oder mehr) Fondspolicen plus Kredit propagierte. Einen Teil der Maklerschaft hat das Hebelmodell überzeugt, bei dem das Darlehen eine sofort beginnende Rentenpolice „auffüllt“ (das kannte man von Bausparern). Deren Renten sollten als laufende Beiträge in den zweiten Versicherungsvertrag fließen, um die spätere Rente auszubauen.

Für die Policen rechnete CMI eine Wertentwicklung von rund acht Prozent vor; das Darlehen kostete zirka fünf Prozent Zins. Auf 30 Jahre gerechnet sollte dieser Zins-Spread dem Kunden richtig Geld bringen. Jedoch war die Wertentwicklung der Policen Kunden meistens bis immer miserabel, so dass die Kunden Verluste schrieben. Nach vielen Klagen kam der Bundesgerichtshof im Juli 2012 zu dem Schluss: Schluss! Grundsätzlich, so Deutschlands höchstes Gericht, sind die Ansprüche der Anleger berechtigt. Nun werden die Einzelfälle wie oben beschrieben durchgeklagt und CMI verliert Mal um Mal.

Foto: © apops - Fotolia.com

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