Brenneisen in der Ära nach Infinus

Sachwerte Top News von Robert Krüger-Kassissa

In einer kleinen Pressekonferenz am 22. Januar in Hamburg, hat das Urgestein der Sachwertbranche, Manfred Brenneisen, offen und ehrlich seine Beweggründe für den Einstieg von Infinus in sein Unternehmen dargelegt und einen Ausblick auf die Zukunft gegeben.

Die erste Kontaktaufnahme zwischen Infinus und Brenneisen ging auf die Initiative des Wieslocher Unternehmers zurück. „Ich wollte Infinus im Jahre 2011 klar machen, dass diese ihren Haftungsdachagenten auch geschlossene Fonds anbieten sollten“, so Brenneisen. Für ihn sahen die 2.400 34f-Makler der roten Infinus und die über 800 gebundenen Makler im Haftungsdach, der blauen Infinus, nach einem guten Geschäft für Brenneisen Capital aus. Zunächst wurde aus diesem Erstkontakt jedoch nichts, erst 2012 - vor dem Hintergrund der Einstufung von geschlossenen Fonds als Finanzinstrumente - ging es dann jedoch gleich recht schnell. „Für mich war das Angebot des 100-prozentigen Einstiegs seitens Infinus in mein Unternehmen auch überraschend, aber die Verhandlungen liefen sehr fair und auch der Kaufvertrag enthielt keine Finten“, so Brenneisen. Insbesondere die seitens Infinus angebotene Nachfolgeregelung ab 2014 schmeckte Brenneisen, der in der eigenen Familie keinen Nachfolger oder Nachfolgerin hat. Selbst der Kaufpreis wurde vier Wochen vor Termin gezahlt.

Produkte nicht konkurrenzfähig
Nach dem Einstieg liefen die Anbindung und das operative Geschäft allerdings schleppend. „Unsere empfohlenen Produkte wie etwa ein Immobilienfonds mit vielleicht 6 Prozent Rendite waren im Vergleich zu einer fünfjährigen Orderschuldverschreibung mit einem jährlichen Zinssatz von 7,5 Prozent nicht vergleichbar“, resümiert Brenneisen. Nach meiner Information waren von Infinus weitere Zukäufe von Vertriebsunternehmen geplant - auch in unserem Bereich. Warnende Rufe zum Infinus-Einstieg gab es schon. Diese allerdings vorwiegend aus der Assekuranz. „Die von Versicherungsunternehmen vorgetragenen Argumente konnte ich aber nicht nachvollziehen“, sagt Brenneisen. Im Nachhinein hieß es zwar hier und da, Infinus habe sich die Brenneisen-Vermittler kaufen wollen. „Das stimmt nicht, Infinus wollte wirklich das Geschäft mit den geschlossenen Fonds aufbauen“, sagt Brenneisen.  Erst später beschlich auch Brenneisen ein ungutes Gefühl, beispielsweise nach seinem Besuch auf der Infinus-Weihnachtsfeier 2012, kurz vor dem rechtskräftigen Übergang der Anteile, die er aber mit seiner Frau recht früh am Abend wieder verließ. Eine Rückabwicklung des Deals wäre zu diesem Zeitpunkt nur noch schwer möglich gewesen.

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Foto: Manfred Brenneisen, @ procontra

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