Auch Axa ohne Garantiezins

Versicherungen Berater Top News von Markus Rieksmeier

Mit ihrer neuen „Relax“-Rente sagt auch die Axa Leben dem Mindestzins Lebewohl. Wie bereits bei Allianz und Ergo stellt das neue Produkt den Vertrieb vor gewisse Erklärungsprobleme, weil nur noch Langlebigkeit als Versicherungs-Argument bleibt.

Die Axa „Relax“-Rente, das ist die wesentliche Neuigkeit, kommt ohne Zinsgarantie auf den Markt. Enthalten bleibt eine Beitragsgarantie. Das ist wichtig, denn je nach „Rürup-Schicht“ müssen die eingezahlten Beiträge von Gesetzeswegen gesichert sein. Ansonsten betont die Axa, sie wolle die Sicherheit des Kapitals und Renditechancen kontinuierlich „ausbalancieren“. Ein Begriff bzw. eine Strategie, die auch schon die Allianz mit ihrer "Perspektive", verfolgt, wie auch Ergo mit ihrer „Garantie“-Rente

Sparbuch oder Chance? Etwa so kann man auch die neue Axa-Rente „Relax“ in die Vorstellungswelt des Kunden übersetzen, vor allem, wenn man an 2015 denkt. Dann soll der Garantiezins der klassischen Lebensversicherung auf 1,25 Prozent fallen. Das ist eine Sparbuch-Rendite. Garantiert.

Kommt es auf ein Prozent an?
Vermittler und Kunden könnten sich bald fragen, ob ein Garantie-Unterschied zwischen null Prozent bei den neuen LV-Produkten und ab 2015 zu erwartenden 1,25 Prozent bei den „Klassikern“ überhaupt noch ins Gewicht fällt. Dies obwohl die Menschen in Krisenzeiten vermehrt auf Garantien schielen. Aber wenn der Unterschied zwischen zwei Alternativen dem Kunden (vernachlässigbar) zu gering erscheint, dann könnte der komplette Verzicht auf Garantien dem Verbraucher bald schlicht egal sein. Ein Effekt, den Versicherer angesichts sinkender Zinsen sicher begrüßen würden.

Eine Garantie ist nichts anderes als eine Art Minimalrendite, aber zu kleine Rendite-Unterschiede haben keine Steuerungswirkung beim Kunden. Dies hat „Renditepapst“ Professor Klaus Jaeger von der FU Berlin bereits vor Jahren hinsichtlich sehr geringer Unterschiede bei Rendite-Ergebnissen festgestellt. Damals verknüpfte Jaeger minimale Rendite-Unterschiede mit Erkenntnissen der finanziellen Verhaltensforschung. Systematisch, die Allianz hat das für ihre neue Rente „Perspektive“ schön visualisiert, werden die neuen Rentenpolicen zwischen klassischen und Fondspolicen eingeordnet.

Neue Produkte müssen alte subventionieren
Wenn bei den Garantien die Unterschiede „egal“ erscheinen, dann müssen die Zinsen den Unterschied machen. Aber hier herrscht bei alten und neuen Rentenprodukten Gleichstand am Markt. Genauer am Kapitalmarkt. Lediglich sind die neuen garantielosen Produkte von Sicherungskosten entlastet, weil es bei den neuen Produkten von Allianz, Ergo und Axa keinen teuren Garantien gibt. Stimmt das? Nur eingeschränkt, weil dem Kunden auch bei den neuen Produkten indirekte Garantiekosten entstehen.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) liefert in diesem Zusammenhang aktuell ein sehr bemerkenswertes Zitat von Alte Leipziger-Chef Walter Botermann, der laut FAZ sagte: „Stellt man das Neugeschäft ein, kommt man nicht von der hohen Durchschnittsgarantie herunter“. Mit anderen Worten bedeutet die Weiterführung des LV-Geschäfts, dass alle, auch die neuen LV-Produkte, zur Finanzierung alter Zinsgarantien betragen müssen. Betriebswirtschaftler nennen das Quersubventionierung.

Kunden folgen Vermittlerempfehlung
Was bleibt von der guten alten Privatrente übrig? Ihre lebenslange Leistung als biometrisches Alleinstellungsmerkmal, das der Vertrieb künftig verstärkt argumentieren muss - weil es stimmt. Ansonsten kommt es weiterhin auf die kompetente Empfehlung des Vermittlers an. Neben der Beratung ist die Produkt-Empfehlung durch den Vermittler nach wie vor das Hauptanliegen des Kunden, vor allem der weiblichen Kundschaft. Das haben kürzlich die Marktforscher von YouGov wieder ermittelt.

Foto: AXA