Riester im Rückwärtsgang

Versicherungen von Markus Rieksmeier

Über alles betrachtet stagniert die Zahl der Riester-Verträge bei 15,8 Millionen Verträgen. Das sagen die neuesten Zahlen des zuständigen Ministeriums. Bei Riester-Versicherungen und Wohn-Riester öffnet sich die Schere – zulasten der Assekuranz.

Wieder einmal hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) eine Riester-Bilanz veröffentlicht. Per Ende September tut sich im Riester-Neugeschäft zwischen Versicherungen und Bausparkassen eine Lücke von 230.000 Verträgen auf. Beim Wohn-Riester stieg der Neuzugang um 157.000 Stück. Bei Versicherungen fielen 74.000 Policen aus - weil sie keiner gekauft hat. Der Bestand an Bank- und Fonds-Sparpläne stieg in diesem Jahr um jeweils rund 15.000 Verträge. 

Damit setzt sich für die Assekuranz ein beunruhigender Trend bei Riester fort. Otto Normalverbraucher baut auch mit kleiner Münze buchstäblich aufs Bauen und kauft Wohn-Riester. Riester-Versicherungen zeigt der Bürger offensichtlich die kalte Schulter. Insgesamt gab es in Deutschland zum 30. September knapp 15,8 Millionen Riester-Verträge. Das ist seit Jahresbeginn eine Steigerung um 112.000 Verträge, wenn man Zu- und Abgänge (Storni und Verträge in der Leistungsphase) gegeneinander aufrechnet. 

Drei Millionen Verträge ruhen
Zwar haben Versicherungen bei Riester noch den höchsten Marktanteil; zurzeit 69 Prozent. Aber die Quote hat zunehmend historische Bedeutung, denn sie fällt seit Jahren kontinuierlich. 2006 hatten noch gut 80 Prozent aller Riester-Sparer eine Versicherungspolice im Ordner. Im Großen betrachtet werden diese Verträge zunehmend durch Wohn-Riester ersetzt. Im Jahr 2008 eingeführt ist der Wohn-Riester inzwischen bei sieben Prozent Marktanteil angekommen.

Banksparpläne halten sich bei etwa fünf Prozent und Fonds-Riester bei 19 Prozent Marktanteil. Vom Gesamtbestand, 15,8 Millionen Stück, sind nach Einschätzungen des BMAS etwa 3,1 Millionen Verträge „ruhend“. Gab es in der Vergangenheit noch regelrechte Hurra-Meldungen zu Riester-Abschlüssen, mit denen der Erfolg der Zulagenrente unterstrichen werden sollte, so hält sich das BMAS damit inzwischen zurück. Auch im Koalitionsvertrag spielt Riester keine Rolle mehr.

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