Rente: Ahnungslose Deutsche

Versicherungen von Stefan Terliesner

Umfrage: 84 Prozent wissen nicht, dass die Rente versteuert werden muss. Nur 38 Prozent können die zukünftige Rentenhöhe richtig einordnen. Gefahr der Fehlinterpretation der jährlichen Renteninformation.

Die Rentenreform 2005 und ihre Auswirkungen auf die Altersvorsorge sind an den Bundesbürgern offenbar vollkommen vorbeigegangen. Viele Bürger haben von der Höhe und dem Mechanismus der gesetzlichen Rente keine Ahnung. Bei einer repräsentativen Umfrage von Forsa im Auftrag der Fondsgesellschaft Union Investment gaben 84 Prozent der Befragten an, dass die gesetzliche Rente im Alter nicht versteuert werden muss. Auch bei der Frage, wie viel Prozent ihres letzten Einkommens sie später aus der gesetzlichen Rente bekommen, liegen die meisten falsch.

Nur etwas mehr als jeder Dritte (38 Prozent) schätzt seine Rente mit 30 bis 50 Prozent seines jetzigen Gehalts richtig ein. 11 Prozent erwarten eine staatliche Leistung von weniger als 30 Prozent; 43 Prozent rechnen mit mehr als 50 Prozent des Einkommens als Rente. Gleichzeitig geben 62 Prozent der Befragten an, dass sie für ihr Alter ausreichend vorgesorgt haben. Dies sind die Ergebnisse der Umfrage, die Union Investment jetzt via Pressemitteilung bekannt gab.

Wie der Mitteilung weiter zu entnehmen ist, steigt der Kenntnisstand leicht mit zunehmendem Alter der Befragten an. Deutliche Wissensunterschiede gebe es auch in Abhängigkeit vom monatlichen Haushaltsnettoeinkommen. Auch hier nehme das Wissen über die Höhe der gesetzlichen Rente mit dem Einkommen zu. Falsch eingeschätzt werde von den meisten auch die Höhe der Besteuerung.

Keiner der Befragten habe gewusst, wie hoch bei einem heutigen Rentenbeginn der aktuelle Steuersatz ist. 90 Prozent hätten gar keinen Wert angeben können, 2 Prozent einen Steuersatz über den korrekten 66 Prozent, und 8 Prozent einen zu niedrigen Satz. Gefragt nach dem steuerpflichtigen Anteil ab dem Jahr 2040 haben dem Pressetext zufolge nur 8 Prozent richtig angeben, dass ab diesem Zeitpunkt die vollen Bezüge in der Steuererklärung angeben werden müssen.

„Rentenprognose ist kein verfügbares Einkommen“
Im Jahr 2005 sei die nachgelagerte Besteuerung von Renten eingeführt worden. Das bedeute, dass Vorsorgeaufwendungen während des Berufslebens zunehmend steuerbefreit und im Gegenzug die Renteneinkünfte schrittweise besteuert werden. Generell gelte: Alle, die ab dem Jahr 2040 in Rente gehen, müssen ihr Einkommen grundsätzlich voll versteuern. „Die Umstellung der Rente auf das System der nachgelagerten Besteuerung heißt, dass man im Erwerbsleben mehr Geld zur Verfügung hat und dieses ansparen muss.

Denn im Alter erhält man aufgrund der Steuern weniger Rente als früher. Wer die Rentenprognose im jährlichen Bescheid der Deutschen Rentenversicherung als verfügbares Einkommen versteht, begeht einen gravierenden Fehler“, wird Wolfram Erling, Leiter Zukunftsvorsorge bei Union Investment, in dem Text zitiert. Dass das System der Rentenbesteuerung auch nach rund acht Jahren kaum bekannt sei, sei ziemlich erschreckend.

Foto:© Klaus Eppele - Fotolia.com

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