Klage wegen IVG-Gurke

Sachwerte von Markus Rieksmeier

In London bestimmt „The Gherkin“ oder „Die Gurke“ das Stadtbild. Die auffällige Büroimmobilie beschäftigt jetzt als IVG-Fonds die Gerichte. Ein Anleger klagt gegen die Commerzbank wegen angeblicher Falschberatung.

Für die Finanzkrise kann die beklagte Commerzbank nichts, aber die Mieterträge seien „von vornherein zu optimistisch angesetzt worden“, schreiben die Rechtsanwälte Kälberer & Tittel in einer Pressemeldung. Ein Anleger will von der Commerzbank, deren Vorgängerin Dresdner Bank die Beteiligung vermittelt hatte, Schadenersatz und klagt nun auf Rückabwicklung. Es geht im Klagefall um 15.000 Britische Pfund, die der Anleger im Jahr 2007, sozusagen am Vorabend der Finanzkrise, gezeichnet hatte.

Es geht um den geschlossenen IVG-Fonds Euro Select 14 – „Die Gurke“. Einschließlich Aufgeld hatten Anleger 164 Millionen Britische Pfund (GBP) eingebracht. 183 Millionen GBP flossen aus einem Fremdwährungs-Darlehen, das in Schweizer Franken abgeschlossen wurde. Daraus entstanden Währungsverluste und in Verbindung mit sinkenden Mieteinnahmen sank der Objektwert - und damit der Beleihungswert. In der Folge gab es nur für das Jahr 2008 eine Ausschüttung von 2,75 Prozent. Seitdem gingen die Anleger leer aus.

Nicht über Risiken aufgeklärt
Der beklagten Commerzbank werfen die Rechtsanwälte nun vor, nicht ausreichend über Währungsrisiken, Beleihungsrisiken (Loan-to Value) und „starke Mietschwankungen im umkämpften Londoner Büroimmobilien-Markt“ aufgeklärt zu haben. Auch sei der Kaufpreis der „Gurke“ mit 600 Millionen GBP zu hoch gewesen. Die Rechtsanwälte Kälberer & Tittel schätzen ihrer Presseinformation zufolge die Gestehungskosten für Bau und Grundstück auf lediglich 350 Millionen. Eine Frage vor Gericht könnte sein, ob sich die Vertriebsbanken einen eventuell überhöhten Kaufpreis beziehungsweise dessen Kenntnis zurechnen lassen müssen.

Kritisch äußern sich die Anwälte auch, weil der Hauptmieter der Immobilie im Kaufjahr 2007 ebenfalls dem Swiss Re Konzern angehörte. Dies sei den Anlegern des IVG-Fonds „im Prospekt verschleiert worden“, so Rechtsanwalt Dietmar Kälberer. „Auf die Vertriebsbanken dürfte somit auch beim Euro Select 14 eine Klagewelle zukommen“. Kälberer schätzt die Zahl der Anleger auf rund 9.000. Am deutschen Zweitmarkt habe „Die Gurke“ zuletzt mit 5,5 Prozent des Nennwertes notiert. Die IVG Immobilien AG als „Mutterhaus“ der IVG-Fonds (Sondervermögen) ist seit August insolvent im so genannten Schutzschirmverfahren.

Foto: London, financial district, © fazon - Fotolia.com