GDV erklärt Bewertungsreserven

Versicherungen von Markus Rieksmeier

Viele Journalisten schreiben zurzeit über die Lebensversicherung und speziell die Bewertungs-Reserven. Um die Presse näher an dieses komplexe Thema heranzuführen, hat der GDV-Verband in die „Werkstatt“ gebeten.

Viele Bürger, aber auch die schreibende Zunft, sehen sich einer „Blackbox Lebensversicherung“ gegenüber. Genau so taufte der GDV-Verband eine Informations-Veranstaltung in Berlin und lud ein zum „Werkstatt-Gespräch“. Mit Worten und vor allem Bildern erklärte Johannes Lörper, Ergo Vorstand, Aktuar und GDV-Ausschussvorsitzender für Mathematik die Innereien der Lebensversicherung. Unterstützt von GDV-Hauptgeschäftsführer Peter Schwark sollte den Anwesenden, darunter viele Journalisten, die Wirkungsweise vor allem von Bewertungs-Reserven vermittelt werden. 

300 Millionen Euro an Bewertungs-Reserven schütten die Lebensversicherer nach Angaben des GDV aus. Jeden Monat. Nach den Vorstellungen von Kritikern der LV sollte mehr ausgezahlt, zumindest nicht gekürzt werden. Die Versicherungswirtschaft will weniger zahlen, weil die Bewertungs-Reserven – kurz gesagt – künstlich aufgebläht sind. Lörper und Schwark erläuterten das Erfordernis einer Kürzung der Reserven am Bild einer Talsperre. Deren Wasserpegel sei ebenfalls sorgfältig zu regulieren sei.

Ausgleich über die Zeit
Mathematiker Lörper stellte klar: „Uns wird immer vorgeworfen, wir halten Gewinne zurück. Und wir sagen: Ja, das machen wir. Denn das ist unser großer Vorteil“. Langfristige Kapitalanlagen erforderten vor allem Stabilität. Die nachhaltige Wertentwicklung erfordert nach Lörpers Darstellung den Aufbau von Reserven, mit denen Schwankungen am Kapitalmarkt geglättet werden. Hierzu gehören auch Bewertungsreserven. Aktuell sinngemäß: Die derzeitige Aufblähung der Reserven wurde durch ungewollte Wirkungen bei festverzinslichen Wertpapieren verursacht.

Stattdessen sei der Glättungs-Effekt bei den Reserven so zu erklären: „Wir schirmen uns nicht komplett vom Kapitalmarkt ab, aber wir schirmen unsere Kunden davon ab“. So brachte es GDV-Hauptgeschäftsführer Peter Schwark auf den Punkt. Werden weiterhin zu hohe Bewertung-Reserven an auslaufende Verträge ausgeschüttet, würde dies zu Lasten der beschriebenen Glättung und damit gegen die Bestandskunden wirken.

Reserven gesetzlich neuregeln
Im Augenblick, erläuterte Peter Schwark, fehlen den Bestandskunden etwa 0,4 Prozentpunkte laufende Verzinsung, weil die Bewertungs-Reserven für Vertragsabläufe aufzufüllen seien. Diese Verzinsungslücke erklärt dann logisch, warum die Lebensversicherer in diesen Tagen niedrigere laufende Verzinsungen für 2014 deklarieren. Weil sie es nach mathematisch müssen! Im Schnitt sinkt der laufende Überschuss, so der erste Trend, marktweit um etwa 0,2 Prozent.

Eigentlich müsste die Kürzung – siehe oben – in Höhe von 0,4 Prozentpunkte erfolgen, aber die Lebensversicherer glätten und verteilen dieses Erfordernis – auf Zeit. Zum Verständnis trägt das von Lörper und Schwark bemühte Bild der Talsperre und der Pegelregulierung bei. Nur geht es hier nicht um Wasser, sondern um sehr viel Geld. Rund 750 Milliarden Euro liegen in den Deckungsstöcken der LV-Industrie.

Ein Gesetz zur zeitlichen Verteilung oder Streckung von Bewertungsreserven ist nach Ansicht des GDV erforderlich. Gerechnet: Jedes Zehntel-Prozent überhöhter Bewertungsreserven kostet die Lebensversicherer 750 Millionen Euro pro Jahr. Geld, das den Bestandskunden fehlt.

Foto: © yuryimaging - Fotolia.com

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