Deutsche der Vorsorge überdrüssig

Berater Versicherungen von Stefan Terliesner

Umfrage: Vielen Menschen ist bewusst, dass sie mehr tun müssten, um ihren Lebensstandard im Alter zu halten. Weil klassische Anlageformen nicht mehr als rentabel gelten, bleibt die Vorsorge unzureichend.

Seit 2003 befragt die Postbank in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie Allensbach jährlich die Deutschen nach ihren Einstellungen zur privaten Altersvorsorge. Die Ergebnisse hat die Postbank Ende November in einer Pressemitteilung zusammengefasst. Eine Konstante der Studie: „Heute, wie schon vor zehn Jahren, sind lediglich 41 Prozent der Berufstätigen davon überzeugt, dass sie ihren Lebensstandard im Alter mit den derzeitigen Sparleistungen halten können", wird Dieter Pfeiffenberger, Bereichsvorstand Baufinanzierung bei der Postbank, in der Mitteilung zitiert. Zugleich schrumpfe der Kreis der Berufstätigen, die im Ruhestand Einkünfte aus einer privaten Altersvorsorge erwarten, von 62 Prozent im Jahr 2005 auf heute 56 Prozent.

Paradoxe Situation
Angesichts dieser Zahlen erscheine es paradox, dass der Anteil derjenigen, die ihre Investition in die Altersvorsorge aufstocken wollten, in den letzten zehn Jahren deutlich gesunken sei. Während 2003 noch 49 Prozent der Berufstätigen vorgehabt hätten, ihre Altersvorsorge in absehbarer Zukunft zu erweitern, seien es in diesem Jahr nur 35 Prozent. „Gerade diejenigen Befragten, die ihre Vorsorge als unzureichend einschätzen, planen immer seltener ihren Ausbau – in den vergangenen fünf Jahren hat sich ihr Anteil von 16 Prozent auf heute 34 Prozent mehr als verdoppelt", so Pfeiffenberger.

Doch was sind die Ursachen für die steigende „Vorsorge-Verdrossenheit“? Anhaltspunkte böten weitere Ergebnisse der Studie. Befragt nach den idealen Formen der privaten Altersvorsorge würden die Bundesbürger den „Klassikern“ ein verheerendes Urteil ausstellen. Aktuell hielten nur noch 25 Prozent der Berufstätigen die rentenbasierte Lebensversicherung für ein „ideales Vorsorgeinstrument“, vor zehn Jahren seien es noch 42 Prozent gewesen. Erheblich verloren habe auch die privaten Rentenversicherungen, die im Jahr 2003 noch 43 Prozent als ideal betrachtet hätten, heute seien es nur noch 35 Prozent. Auch eine privat abgeschlossene Riester-Rente erscheine immer weniger Befragten als „ideal“: 2007 seien davon noch 36 Prozent überzeugt gewesen. Dieser Anteil sei inzwischen auf nur noch 25 Prozent zurückgegangen.

Immobilien als „ideale Altersvorsorge“
„Die Befragten sind nicht mehr überzeugt, dass diese Anlageformen wirklich sicher und rentabel sind“, so Pfeiffenberger. „Angesichts der aktuell niedrigen Zinsen haben aber auch Festgeld, Sparbriefe, festverzinsliche Wertpapiere oder Gold massiv an Beliebtheit verloren.“ Als ein Garant für Sicherheit erscheine der Mehrheit der Deutschen die Immobilie: 66 Prozent der Berufstätigen halten sie für eine ideale Form der Altersvorsorge.

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