Ausgeröstet!

Berater Versicherungen Top News von Markus Rieksmeier

Tchibo hat es jetzt amtlich. Mehr als drei Jahre hat es gedauert, bis der Bundesgerichtshof der Versicherungsvermittlung durch den Kaffeeröster letztinstanzlich einen Riegel vorgeschoben hat. Tchibo ist kein „Tippgeber“.

In der vergangenen Woche hat der Bundesgerichtshof (BGH) das letzte Wort gesprochen: Tchibos Aktivitäten, so das höchste deutsche Gericht, seien im juristischen Sinne „Versicherungsvermittlung“ gewesen. Auf eine angebliche reduzierte Funktion als „Tippgeber“ könnten sich die traditionsreichen Hamburger Kaffeeröster nicht berufen. Damit hat der BGH das ursprüngliche Urteil des Hamburger Landgerichts zu einem Unterlassungsverfahren aus dem Jahr 2010 bestätigt. 

Bis Anfang 2011 versuchte Tchibo werblich, vor allem auf seinen Internetseiten, Versicherungsprodukte im Direktvertrieb zu verkaufen. Vor allem der via Internet mögliche Direktabschluss machte Tchibo zum Vermittler; jedoch hatte das Unternehmen keine Erlaubnis zur Vermittlung von Versicherungen. Nur wenn die Kaffeeröster, der seit einigen Jahren auch erfolgreich Haushaltswaren verkaufen, lediglich Kontaktdaten der Internetbesucher weitergeleitet hätten, wäre noch von einem Tippgeber zu sprechen gewesen.

AfW-Verband legte sich ins Zeug
Betrieben hatte die Klage der Wettbewerbsverein WIW e.V., vor allem mit Unterstützung des „Markt Intern“ Verlags und des AfW-Bundesverbands Finanzdienstleistung. Letzterer informiert über das aktuelle Urteil des BGH und zitiert seinen Vorstand Norman Wirth, der Gesetzgeber habe klare Vorgaben für die Versicherungs-Vermittlung gemacht. Das endgültige Urteil des BGH sei „eine gute Nachricht für alle kundenorientiert arbeitenden Versicherungs-Vermittler“. Die Vermittler dürfte das freuen.

Unmittelbar mit dem ersten Verfahren vor dem Landgericht Köln hatte sich Tchibo Anfang 2011 aus dem Versicherungsvertrieb zurückgezogen; damals mit dem Hinweis, man wolle sich wieder auf versicherungsfremde Geschäftsfelder konzentrieren. Kooperationspartner beim Versicherungs-Verkaufsversuch war bis zur Einstellung der Versicherungsaktivitäten Tchibos die Asstel Versicherung (Gothaer Gruppe). Anstatt drei Jahre die Gerichte zu beschäftigen, hätte Tchibo sich billiger und schneller um eine Vermittlungserlaubnis kümmern können. Zuletzt war Tchibo im Juli auch der Vertrieb einer Rabatt-Karte für Zahnersatz untersagt worden.

Foto: Tchibo