Verband will die PKV weiter stärken

Versicherungen Top News von Markus Rieksmeier

Mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen will PKV-Verbands-Chef Laue das kapitalgedeckte System der Privaten Krankenversicherung ausbauen. Bestimmte GKV-Leistungen sollen auf die PKV übergehen und der Übergang für Jüngere erleichtert werden.

Kaum scheint die Bürgerversicherung politisch abgewendet, wagt die PKV einen Vorstoß in die Gegenrichtung. Der durchschnittliche Neukunde ist inzwischen 37 Jahre alt, sagte Uwe Laue, Debeka- und Verbandschef der PKV, auf dem 31. Münsterischen Versicherungstag. Früher habe das Umstiegs-Alter der Neukunden bei 29 belegen. Für Laue ist dies ein Beleg, dass die Versicherungs-Pflichtgrenze in den letzten Jahren zu stark gestiegen ist. Angestellte bräuchten demnach mehr Wahlfreiheit.

Die Forderung des höchsten PKV-Funktionärs hat auch einen mathematischen Hintergrund. Je jünger die Versicherten beim Umstieg ins private System sind, desto länger kann der Zinseszins-Effekt bei den Alterungs-Rückstellungen wirken. Diesen bekannten Vorteil der Kapitaldeckung überträgt Uwe Laue auch auf den jüngst gefundenen Gesundheits-Kompromiss bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin. Seines Erachtens nach soll der geplante Kapitalstock für die Pflegeversicherung (0,1 Prozentpunkte der Erhöhung) bei der Bundesbank angelegt werden – nicht bei den Krankenkassen!

Mehr Rollatoren als Kinderwagen
Auch andere Zuständigkeiten sollen von den Gesetzlichen Krankenkassen abgezogen werden. So könne man sich nach Laues Worten vorstellen, „abgrenzbare Leistungen“ der GKV zugunsten der Privaten Krankenversicherung auszugliedern. Laue: „Der Wettbewerb ist wieder da“. Demzufolge könnte eine Ausgliederung Unfälle im Privatbereich, Zahnarzt- und Krankentagegeld-Leistungen umfassen. Hier seien „jeweils neun Milliarden Euro“ einzusparen.

Die Entlastungen durch Leistungs-Ausgliederungen kann die GKV aus demografischen Gründen gut gebrauchen, so die These. Nach Laues Worte: „Künftig werden wir mehr Rollatoren als Kinderwagen auf den Straßen sehen“. Zusatzversicherungen gehören seiner Auffassung nach nicht in die Wahltarife der GKV, sondern in die PKV. Dies solle weiter gestärkt werden; zum Beispiel, indem der aktuelle gesetzliche Beitragszuschlag erhöht werden könnte.

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