Jahrelang für lau gezahlt?

Versicherungen Top News von Carla Fritz

Der „Pflege-Bahr“, für den Staat ein Zuschussgeschäft. Für Vorsorgewillige eins, bei dem sie womöglich draufzahlen? Vor allem für Jüngere besteht diese Gefahr. Eine aktuelle Studie schlägt Alarm und fordert Nachbesserungen.

Der „Pflege-Bahr“ kommt nicht aus den Negativschlagzeilen und die Kritik diesmal vom Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP). Das hat nachgerechnet und nach eigenen Angaben „eine Reihe massiver Schwachstellen“ entdeckt. „Im schlimmsten Fall könnten diese sogar zu Beraterhaftung führen“ sagt der Geschäftsführer des Instituts, Professor Michael Hauer. Das Dilemma nach seinen Worten: Pflege-Bahr rechne sich gegenwärtig „nahezu ausschließlich für ältere Menschen und Personen, die in absehbarer Zeit pflegebedürftig werden“.

Für Jüngere unter 50 könnten die geförderten Policen den Berechnungen zufolge „gar zu einem Draufzahlgeschäft“ werden. Denn eines sei klar: „Man muss davon ausgehen, dass die Beiträge im Laufe der Jahre deutlich steigen werden, da beim Pflege-Bahr keine Gesundheitsprüfung nötig ist“, so das Institut.

Aus Frust null Bock auf Vorsorge?
Ein heute 30-Jähriger, der eine Pflegegeldversicherung abschließt, müsste demnach – bei einer angenommenen jährlichen Beitragssteigerung von fünf Prozent – nach 30 Jahren 60 Euro monatlich an Eigenbeitrag aufbringen. Nach 40 Jahren wären es den Berechnungen zufolge bereits über 100 Euro, die monatlich hier für ihn zu Buche schlagen.

„Im schlimmsten Fall“ könne die Leistung aus Pflegestufe null oder 1 – je nach Versicherer – unter dem monatlichen Beitrag liegen, da dieser bei allen Versicherern auch im Pflegefall weitergezahlt werden muss, so die Analyse.
Für Pflegestufe null gilt demnach für fast alle untersuchten Tarife: Um das 70. Lebensjahr übersteigt der Beitrag die Leistung – unabhängig vom Eintrittsalter. Dazu Hauer: „Geht man davon aus, dass die Beiträge jährlich im Schnitt um fünf Prozent steigen, dann zahlt der Pflegebedürftige im Leistungsfall einen höheren Beitrag als er an Rentenleistung erhält.“ – Das dürfte auch den bis dato Gesunden mit Pflege-Bahr-Police nicht entgehen und ebenfalls zur Vertragskündigung führen, vermutet Hauer. „Man hat also jahrelang umsonst gezahlt.“ – Er befürchtet, dass viele Verbraucher dann „aus Frustration oder Verunsicherung“ keinerlei private Vorsorge mehr treffen. In der aktuellen Studie wurden sechs Anbieter untersucht, „die den Markt im Preis-Leistungs-Verhältnis von sehr gut bis eher schwach abbilden“.

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Gut gedacht, aber schlecht gemacht

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