Herausforderungen für Maklerpools

Top News Berater von Björn Wichert

Neben dem „Dauerbrenner“-Thema Transparenz warten auf die Pool-Branche eine Reihe von Aufgaben, die es zu lösen gilt.

„In der Versicherungs- und Finanzdienstleistungswirtschaft sind ständige Veränderungen an der Tagesordnung. Im Vertrieb bestimmen insbesondere die Auswirkungen neuer Gesetze und Verordnungen die Diskussion“, heißt es in der aktuellen „Studie Maklerpools, Verbünde und Servicedienstleister 2013“ von Brunotte Konzept (Hamburg), die den Titel „Kurs halten in rauer See“ trägt und auf einer Umfrage von 30 Gesellschaften aus dem Poolmarkt beruht.

Abschlusscourtage nicht an erster Stelle. An vorderster Stelle ordnet Studienautorin Sabine Brunotte, die seit 2008 den Maklerpool-Markt jährlich mit einer unabhängigen Untersuchung durchleuchtet, die ungewisse Zukunft der Abschlussvergütung ein. Diese steht auf europäischer Ebene im Rahmen der Überarbeitung der EU-Vermittlerrichtlinie (IMD 2 – Stichwort PRIPs) zumindest in der Lebensversicherung auf dem Prüfstand und soll auf nationaler Ebene nach einem internen GDV-Vorschlag gegebenenfalls gedeckelt werden. Hiervon wären natürlich auch die Maklerpools betroffen. Doch anders, als man vermuten könnte, ist die Abschlusscourtage nicht das wichtigste aktuelle Thema, das die Poolbranche umtreibt. Denn dies halten „nur“ knapp drei Viertel der befragten Poolverantwortlichen für „sehr wichtig“ oder „wichtig“. Acht Gesellschaften messen dem Thema keine hohe Bedeutung bei, für drei ist es gar „unwichtig“. Diese sind laut Brunotte „in der Regel im Sachversicherungs- oder Investmentgeschäft unterwegs“.

Auf Ebene der Pools zeigt sich, dass die Branche größtenteils gegen Veränderungen des Provisionssystems ist. So stellt sich beispielsweise blau direkt gegen einseitige Kürzungen – nach Aussage von Geschäftsführer Lars Drückhammer gegenüber procontra allerdings hauptsächlich, „um die Interessen unserer Makler zu wahren, nicht weil unser Unternehmen davon abhinge“. Denn der Pool könne zur Not auch ohne Courtagedifferenz arbeiten, weil er beitragsfinanziert ist. Dennoch entwickeln viele Marktteilnehmer laut der Brunotte-Studie Konzepte für alternative Vergütungssysteme. Und sollte es wirklich zu einer Abschaffung oder Deckelung der Abschlusscourtage kommen, so „muss sich jeder Makler und jeder Pool überlegen, wie die dadurch reduzierten Erträge zu kompensieren sind“, erläutert BCA-Vorständin Dr. Jutta Krinke auf procontra-Nachfrage. Dies könnte beispielsweise durch ein erweitertes Leistungs- und Servicespektrum geschehen. „Und wie schon heute Beispiele am Markt zeigen, besteht die Akzeptanz, die Mehrwerte eines Pools zu vergüten“, so Krinke.

Datenschutz als größte Herausforderung.
Für keinen Poolverantwortlichen „unwichtig“ ist hingegen das Thema „Datenschutz“. Mit mehr als 90 Prozent Beurteilungen als „sehr wichtig“ oder „wichtig“ besitzt diese Thematik die größte Relevanz für die Branche. Da sich die Pools im Spannungsverhältnis zwischen Produktgebern, Vermittlern und Endkunden bewegen und Datenschutz zudem Ländersache ist, sei er für die in der Regel bundesweit agierenden Gesellschaften keineswegs trivial, erläutert Brunotte.
„Einmal unterstellt, dass Pools auch auf dem Feld Datenschutz die Compliance-Regeln einhalten (wollen), haben sie ein weiteres Problem: Die meisten Makler haben bislang wenig Sensibilität für den Datenschutz entwickelt und senden weiterhin personenbezogene Daten ungeschützt durch das Netz“, heißt es in der Studie weiter. Und Appelle, auf verschlüsselte Übermittlung zu setzen, verhallen nach Brunottes Beobachtung oft ungehört oder werden als bürokratisches Ansinnen abgestempelt.

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Illustration: Roman Kulon