Goldene Luftnummer

Sachwerte von Dr. Rainer Kreuzer

Gold und Silber statt Kriseneuro? Wer vor zwei Jahren in Edelmetalle flüchtete, erlitt Schiffbruch. Kursverluste und hohe Nebenkosten zehren das Vermögen auf.

Ein Hamburger Makler sagte im Spätsommer 2011, dass er in seinem Garten ein Loch gegraben und darin Goldbarren eingelagert habe. „Das Währungssystem bricht zusammen“, schnaubte er panisch. Glaubte man der Wirtschaftspresse und den Finanzgurus, so stand damals der Euro unmittelbar vor dem Abgrund, der Dollar vor der Pleite. Neben Immobilien schienen nur Gold, Silber und Platin die letzten sicheren Häfen im globalen Untergang zu sein. Zwei Jahre sind inzwischen vergangen und der Euro steht noch immer fest im Kurs. Die Hyperinflation ist ausgeblieben und durch die Rettungsprogramme der Zentralbanken scheint der Untergang des Weltwährungssystems auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben worden zu sein. Aus der Goldgrube im Garten des Maklers ist inzwischen ein Vermögensgrab geworden. „Der Goldpreis hat alleine in diesem Jahr in der Spitze circa 30 Prozent abgeben müssen“, konstatiert Thomas Grüner, Chef der Vermögensverwaltung Grüner Fischer Investments. Seit dem Allzeithoch im September 2011 sei der Kurs bereits um 38 Prozent eingebrochen. „Eindeutig ein Bärenmarkt per Definition!“ Deutlicher noch beim Silber: Der Preis ist um die Hälfte abgesackt.

Als nach dem Lehman-Crash die Edelmetallkurse nach oben schossen, sprangen die Anleger auf den rasenden Zug auf. Der Goldschatz der Deutschen wuchs bis Ende 2011 auf 393 Milliarden Euro, berichtet das Steinbeis Research Center for Financial Services in Berlin. Fast die Hälfte davon bestand aus Goldbarren und -münzen, gut 40 Prozent aus Schmuck. „32 Prozent des Goldbesitzes in Form von Barren und Münzen wurden während der Finanz- und Wirtschaftskrise erworben“, errechnete Steinbeis. Das Hauptmotiv der Käufer: „langfristiger Werterhalt“. Goldbasierte Wertpapiere spielten mit 47 Milliarden Euro nur eine Nebenrolle. Silber, während der Crash-Panik ebenfalls heiß angepriesen, erreichte nur einen Anteil von rund 10 Prozent des Goldbesitzes.

Riskantes Gold. Zur Vorsicht mahnte jüngst erst Christian Urban von der Verbraucherzentrale NRW: „Anleger sollten sich vor allem darüber im Klaren sein, dass Gold & Co. keine sichere, sondern eine risikoreiche Anlageform sind.“ Die stark gefallenen Kurse in diesem Jahr würden dies verdeutlichen. Auf Zinsen oder Dividenden müsse gänzlich verzichtet werden.
Das ist längst nicht alles: Die Lagerung physischer Edelmetalle zieht entweder den Kauf eines Tresors oder Kosten für die Miete eines Bankschließfachs nach sich. Zudem liegt der Preis an der Ladentheke deutlich über dem Börsenkurs, denn die Kosten für Transport, Prägung und Handel kommen hinzu. So wurde beim Online-Händler Gold-Supermarkt Mitte September die Feinunze Gold (31,1 Gramm) in Barrenform für 1.044 Euro angeboten, während der Börsenkurs bei 1.024 Euro stand. Bei der Ein-Gramm-Barre für 40 Euro betrug der Aufschlag fast 20 Prozent.


Ähnlich hoch sind die Abschläge beim Wiederverkauf. Die Deutsche Gesellschaft für Verbraucherstudien (DTGV) hatte Testpersonen zu mehreren Filialketten geschickt, um die Konditionen beim Ankauf von Altgold zu vergleichen. „Gemessen in Relation zum tagesaktuellen Goldkurs variierte der Goldankaufswert zwischen 31 und 84 Prozent“, resümiert die DTGV.

Die ARD-Sendung „Ratgeber Geld“ ermittelte im April die besten Ankaufspreise bei Degussa. Für die Feinunze lag das Angebot nur um 2,8 Prozent unter dem Verkaufspreis. Für das Ein-Gramm-Stück allerdings wurde ein Abschlag von 20 Prozent fällig. Bei der Sparkasse München betrug die Spanne sogar rund 52 Prozent. Wer statt Gold Silber oder Platin bevorzugt, muss noch deutlich höhere Verluste mit einkalkulieren. Denn im Gegensatz zum Gold wird bei den anderen Edelmetallen eine Umsatzsteuer von 19 Prozent beim Kauf fällig. Silbermünzen werden meist nur mit 7 Prozent besteuert. Vor einem späteren Wiederverkauf müssten diese Aufschläge erst einmal durch Kurssteigerungen eingeholt werden.

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Illustration: Roman Kulon