Gegenwind für Edda Castelló

Versicherungen Top News von Markus Rieksmeier

Die Finanzbranche lässt sich nicht mehr jede unreflektierte oder falsche Aussage von Verbraucherschützern gefallen. So geschehen bei Edda Castelló vom Hamburger Verbraucherschutz: Ihr präsentierte der GDV-Verband jetzt eine Rechnung.

Bei der Fernsehsendung „Hart aber Fair“ in der ARD sprachen Moderator Frank Plasberg und Gäste zum Thema „Null Zinsen – was tun gegen die Geldschmelze“ unter anderem über die Lebensversicherung. An einem konkreten LV-Vertrag mit 80 Euro Monatsbeitrag, 26 Jahren Laufzeit und einer Ablaufleistung von 43.000 Euro arbeitete sich Edda Castelló dann ab. Interessant: Eine Rendite dieses Sparvorgangs wurde nicht genannt, aber Castelló wusste bereits, dass der Kunde hier besser in Bundesschatzbriefe investiert hätte.

„Diese Aussage ist falsch“, sagt nun der GDV-Verband in seinem „Faktencheck“ und beziffert die Rendite zu dem LV-Beispiel mit 3,9 Prozent. Bereinigt betrage diese Rendite sogar 5,0 Prozent, wenn man den im konkreten Versicherungs-Beispiel vorliegenden hohen Anteil an Risikobeiträgen herausrechnet, schreibt der Verband in einer Pressemitteilung. Dagegen haben laut GDV Bundeswertpapiere im vergleichbaren Anlagezeitraum nur mit 4,4 Prozent rentiert.

Alles Kosten!
Zu dem gleichen Beispiel wurde bemängelt, statt der realen Auszahlung von 43.000 Euro in diesem Jahr seien dem Kunden im Jahr 1992 noch 55.000 Euro prognostiziert worden. Für Castelló liegt dieser Fehlbetrag „ausschließlich an den Kosten“, wie der GDV die Verbraucherschützerin zitiert. Der GDV betonte, dass dies am gesunkenen Zinsniveau liegt und verwies ergänzend auf die seit Jahren sinkenden Verwaltungskosten in Leben: zurzeit bei 2,4 Prozent im Verbands-Durchschnitt. Früher waren über vier Prozent.

Es gibt aber noch einen anderen so genannten Faktencheck; den des WDR, den „Hart aber Fair“ produziert. Nach jeder Sendung erscheint auf den Internetseiten des WDR eine fachliche Auswertung zu Aussagen der Fernsehgäste. Im Falle Castellós wird deren Aussage gecheckt, es sei eine „dramatische Reduzierung der Überschussbeteiligung“ zu beobachten. Kurz: WDR-Expertin Prof. Judith Schneider bestätigt das. Zur streitigen Kosten-Theorie Castellós erscheint nichts im WDR-Faktencheck. Aber im Faktencheck des GDV.

Foto: Edda Castelló, Screenshot Hamburg Journal, NDR