Altersvorsorge: Zwischen Mütterrente und Riester-Check

Versicherungen von Carla Fritz


Invalidität als Armutsfalle
Die gesetzlichen Kürzungen bei der Erwerbsminderungsrente lassen sich, wie Buntenbach betonte, „ganz bestimmt nicht“ privat ausgleichen. An dieser Stelle sei man sich auch mit dem der Vertreter der Arbeitgeberseite „wieder sehr einig“.
Mit rund 676 Euro monatlich konnten Bezieher einer Erwerbsminderungsrente den Angaben zufolge im Jahr 2001 durchschnittlich rechnen. Im Jahr 2012 waren es mit 607 Euro fast 70 Euro weniger. Zwölf Prozent der Bezieher mussten im vergangenen Jahr ihre Erwerbsminderungsrente durch Grundsicherungsleistungen aufstocken. Bei Altersrentnern ab 65 Jahren lag dieser Anteil bei 2,2 Prozent.

Eine ergänzende Vorsorge zur Absicherung des Invaliditätsrisikos sei für viele Versicherte entweder nur zu hohen Kosten oder überhaupt nicht möglich, so Buntenbach. „Wer ein hohes Invaliditätsrisiko hat – sei es aufgrund von Vorerkrankungen oder der Ausübung eines gesundheitlich belastenden Berufs – ist von solchen Vorsorgemöglichkeiten praktisch nahezu ausgeschlossen.“ In der betrieblichen Altersvorsorge sei insbesondere in vielen Entgeltumwandlungen keine Sicherung für den Invaliditätsfall vorgesehen. Die Gefahr, im Alter arm zu sein, ist nach ihren Worten für Erwerbsgeminderte deutlich höher als für die Gesamtbevölkerung. Denn sie hätten kaum mehr Spielraum für den Aufbau einer zusätzlichen Altersvorsorge.

Auch mit freiwilligen Zusatzbeiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung für Jüngere, gerade aus Berufen und Branchen mit schwerer körperlicher Arbeit, kann man nach ihrer Auffassung gegensteuern. Derzeit gebe es jedoch dafür keine rechtliche Möglichkeit. Solche zusätzlichen Absicherungen, die den Betroffenen später zugutekommen, könnten derzeit nur von rentennahen Jahrgängen „auf den letzten Metern“ eingezahlt werden.

„Rentenreserven nicht als Verteilungsmasse missbrauchen“
Zu einer möglichen stärkeren Anrechnung von Kindererziehungszeiten, der „Mütterrente“, wie sie von CDU/CSU favorisiert wird, erklärte Buntenbach: Es müsse gewährleistet sein, dass dieses zusätzliche Jahr aus Steuermitteln und nicht aus Beiträgen finanziert werde. Die Honorierung der Erziehungsleistung sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. An ihrer Finanzierung müssten deshalb alle beteiligt werden – auch diejenigen, „die nicht gesetzlich rentenversichert sind, und auch die Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze“. Es gehe dabei – „wenn auch der Rentenbestand diese Leistung erhalten soll – immerhin um 6,5 Milliarden Euro bereits im Jahr der Einführung“.
Im Hinblick auf die Begehrlichkeiten, die die derzeit prall gefüllte Rentenkasse bei den Koalitionären hier weckt, ergänzte Gunkel: Es sei nicht Sinn und Zweck der Nachhaltigkeitsreserve, als „Verteilungsmasse für nicht beitragsgedeckte Leistungen missbraucht“ zu werden. Sie solle vielmehr vermeiden, dass „der Beitragssatz wegen saisonaler und konjunktureller Schwankungen angehoben werden muss“.

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