300 Schiffsverluste

Sachwerte Top News von Markus Rieksmeier

Die Insolvenzen der Fondsschiffe haben einen traurigen Pegel erreicht. Nach Recherchen des „Manager Magazins“ ging jetzt das 300. Schiff unter. Damit ist oft nicht nur die Einlage verloren: Viele Investoren sollen ihre Ausschüttungen zurückzahlen.

Bei Lloyds of London wird heute noch die berühmte Glocke geläutet, wenn ein „wichtiges“ Schiff gesunken ist. Die MS Julietta ist aber nicht untergegangen – sie ist insolvent. Nach Recherchen von „Manager Magazin“ (MM) ist die MS Julietta, ein Mehrzweckfrachter von HCI Capital, das 300. Schiff auf dem Friedhof der Schiffsfonds. In Geld gerechnet haben die Anleger dem Bericht zufolge jetzt über vier Milliarden Euro versenkt.

Bei Schiffen und Verlusten geht die HSH Nordbank, bisher einer der größten Schiffsfinanzierer, für das Jahr 2014 sogar von einer erhöhten Schlagzahl aus, heißt es im MM. Dessen Autor spricht ironisch – und doch korrekt - von einer „stabilen Auftragslage“ für Insolvenzverwalter; viele Schiffe schwimmen ihrer Auftragslage entgegen oder „erliegen“ der Insolvenz auf Reede. In den meisten Fällen gehen die Anleger dabei leer aus.

Ausschüttungen sind Darlehen
Innerhalb von einer Woche seien vier Schiffe wirtschaftlich auf Grund gegangen: Die Santa Victoria und Santa Virginia (jeweils MPC Capital), die Frida Schulte (Lloyds Fonds) und die genannte MS Julietta. Außerdem ging in diesem Monat ein Fonds von MPC und der Reederei Offen in die Insolvenz, dessen Santa-R Schiffsflotte rund 400 Millionen Euro Totalverlust versenkt. Dort war eine weitere Nachschuss-Runde gescheitert, weil die Investoren dem schlechten Geld kein gutes mehr hinterher werfen wollten.

Die Frage, ob Investoren nachschießen wollen, könnte sich demnächst ohnehin erledigen; wenn sie zahlen müssen: Im März hatte der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, dass Initiatoren in der Vergangenheit ausgezahlte Ausschüttungen zurückverlangen dürfen, wenn der Vertrag entsprechend formuliert ist (BGH Az.: II ZR 73/11). Ausschüttungen seien – verkürzt gesagt – wie Darlehen an den Investor zu bewerten. Das klingt hart, aber ein Schiffsanleger ist eben kein Kleinsparer, sondern Kommanditist einer KG.

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