Schlechte Noten für Ökofonds-Tester

Sachwerte von Christian Hilmes

„Riskante Ökofonds“, titelt die Zeitschrift Finanztest auf ihrem aktuellen Cover. Die Stiftung Warentest untersuchte geschlossene Fonds, die auf das Thema Nachhaltigkeit setzen. Das Urteil der Verbraucherschützer fällt vernichtend aus. Allerdings stellen kritische Beobachter auch dem Test ein schlechtes Urteil aus.

„Eine gute Chance, mit Wind-, Solar- oder Biogas­anlagen Geld zu verdienen, bieten Bürgerbeteiligungen in der Nähe Ihres Wohnorts“, heißt es in einem Ratgebertext, der in der November-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest neben einem Test von geschlossenen Ökofonds steht. „Da sich alle Beteiligten kennen und die Ziele des Projekts gemeinsam planen, wird hier meist vorsichtiger geplant. Hohe Kosten, die Banken und Vermittler für den Vertrieb der Fonds kassieren, fallen nicht an.“

Kritik an Empfehlung von Bürgerbeteiligungen

Dieser Tipp der Berliner Verbraucherschützer hat bei einigen Lesern Unmut erzeugt. „Ich bin entsetzt“, schreibt beispielsweise der Nutzer FerosUG in seinem Kommentar unter dem Artikel auf der Internetseite der Stiftung Warentest. „Hat diesen Test ein Friseur oder Koch durchgeführt? Auf jeden Fall jemand, der von dieser Materie keinen Plan hat.“ Er selbst habe mit geschlossenen Fonds für Erneuerbare Energien in Asien sehr gute Erfahrungen gesammelt und jährlich eine 18-prozentige Ausschüttung eingestrichen.

Ausfallrisiko als wichtiges Testkriterium
„Das Schwergewicht der Untersuchung lag auf der Betrachtung der unterschiedlichen Risiken, die für Verbraucher schwer einzuschätzen sind“, führt die Stiftung Warentest auf Ihrer Internetseite als Antwort auf viele ähnliche Leserfragen an. „Da Anleger in der Vergangenheit mit geschlossenen Ökofonds öfter Verluste gemacht haben, sollten sie wissen, mit welchen Risiken ihre Anlage verbunden ist.“

Test ignoriert Renditechance der Fonds
Weiter heißt es von der Stiftung Warentest: „Das Qualitätsurteil im Test gibt keine Aussage darüber, wie hoch die Renditen der Anleger letztendlich ausfallen werden. Die Gesamtnote Ausreichend besagt daher nicht, dass Anleger keine Chance haben, die prognostizierten Renditen zu erzielen.“ Die enttäuschend klingende Note Ausreichend erhielten die Solarfonds CFB-Fonds 180 - Solar-Deutschlandportfolio V und LHI Solar Deutschland VII Georgsdorf & Prenzlau. Besser schnitt kein anderer Fonds ab.

Überwiegende Zahl der Fonds zu riskant 
Acht weitere Fonds erhielten die Note Mangelhaft. Und 14 der 24 untersuchten Wind- oder Solarfonds wurden gar nicht erst genauer unter die Lupe genommen. „Sie sind bereits in der Konstruktion so riskant, dass sich eine Detailprüfung erübrigt“, heißt es zur Begründung. Das ernüchternde Fazit der unabhängigen Tester lautet daher: „Kein einziger Fonds ist aktuell empfehlenswert.“

Blindpool gilt als Ausschlusskriterium
Als entscheidendes Ausschlusskriterium für die Tester galt die Situation, dass beim Vertrieb der Fondsanteile mehr als 10 Prozent der Fondsinvestitionen noch nicht feststehen. „Anleger müssen dann blind darauf vertrauen, dass der Fondsanbieter die richtige Auswahl trifft und dabei keine eigenen Interessen verfolgt“, heißt es dazu als Begründung.

Prognosen fallen zu optimistisch aus
Kritik üben die Autoren des Tests außerdem an den Prognosen der Anbieter: Liquiditätsrücklagen und Instandhaltungskosten seien oft knapp kalkuliert, die Kosten für Anschlusskredite vergleichsweise niedrig angesetzt. Ein weiteres großes Risiko berge bei jedem geprüften Fonds die hohe Fremdkapitalquote. Sie lag zwischen knapp 60 Prozent und rund 86 Prozent. Die Obergrenzen des neuen Kapitalanlagegesetzbuches gelten nicht für die 10 bestehenden Fonds der Initiatoren Aquila Capital Structured Assets, Commerz Real Fonds, GSI Fonds, LHI Leasing, Luana Capital New Energy Concepts, Neitzel & Cie., PT Erneuerbare Energien, Lacuna und Reconcept Invest.

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