Politik verhandelt zur Krankenversicherung

Versicherungen Top News von Markus Rieksmeier

Bei den Koalitionsverhandlungen geht es in diesen Tagen auch um die Gesundheitspolitik. Knackpunkt konnte die Mitgabe von Alterungsrückstellungen werden. Damit könnte es im Herbst losgehen.

Deutschlands zweitmeistgelesene Zeitung hat bei ihren Aufmacher auf das Timing geachtet. „Opfer Privatpatient“ lautet der Titel der „Welt am Sonntag“ (WamS) am Vortag der Koalitionsverhandlungen von Union und SPD. Demnächst müssen wir uns mit einem neuen Begriff anfreunden. Die „Groko“, wie die kommende Große Koalition seit Neuestem abgekürzt wird, bringt nach Erwartungen der Sonntagszeitung einige Änderungen in der Krankenversicherung. Zwar werde die SPD keine Bürgerversicherung bekommen. Unstrittig sei aber, „dass sich etwas ändern muss, gerade bei der privaten Krankenversicherung“.

Zeitgleich zu ersten politischen Weichenstellungen im Gesundheitssystem finden im Augenblick weitere Koalitionsverhandlungen statt; die zwischen den Ärzten und der PKV. Es geht um die Honorare der Leistungserbringer. Bundesärztekammer und PKV-Verband suchen nach einer Neuregelung der Gebührenordnung, bei der wenigstens einige Missstände abgestellt werden. So seien die Honorare für Laboruntersuchungen trotz „drastisch gesunkener Laborkosten“ bei Privatpatienten zehnmal so hoch wie bei gesetzlich Versicherten. Im Vergleich zur Schweiz vergüte die PKV in Deutschland das Dreifache an Laborhonoraren, berichtet die WamS unter Berufung auf eine Aussage von Debeka-Vorstand Roland Weber.

Arzthonorare zu hoch
Würden Labor-Honorare entsprechend „drastisch“ gesunkener Eigenkosten der Labore ebenso drastisch gesenkt, dann wäre das Geschäftsmodell so mancher Laborpraxis gefährdet. Auch würde eine Deckelung oder Verminderung unnötiger Doppeluntersuchungen die Röntgenpraxen in Schwierigkeiten bringen. Röntgenologen gelten zwar als die Hochverdiener unter den Ärzten; sie sind aber in der ersten Hälfte ihres Praxislebens auch am höchsten verschuldet. Oft siebenstellig, weil Röntgen-, CT oder MRT-Geräte extrem teure Investitionsgüter sind. Am Beispiel der Labore und der Fachärzte für Apparatemedizin, wie die Röntgenärzte oft auch genannt werden, wird klar: Die Ärzteschaft wird ihre Geschäftsmodelle zu verteidigen wissen und bei den Gebühren nicht nachgeben – und kämpfen.

Die WamS schließt daraus, die Krankenversicherer hätten „kaum Interesse, sich auf einen solchen Kampf einzulassen“, schließlich bezahle am Ende der Kunde. Diese Sicht ist wohl etwas unfair gegenüber dem PKV-Verband; schließlich haben weder er, noch seine Kunden etwas zu verschenken. Tatsächlich steigen die PKV-Beiträge jährlich, weil der medizinische Fortschritt es erfordert, weil die Preise für Gesundheit steigen und letztlich weil die Zinsen am Boden liegen. An all diesen Einflussfaktoren kann die PKV nichts ändern. Sie kann sich nur darauf einstellen. In diesen Tagen und Wochen werden die Krankenversicherer ihre Beitragsanpassungen für 2014 ankündigen. Zurzeit können nur Gesunde wechseln; und oft nur unter Verzicht auf ihre Alterungsrückstellungen. Das könnte sich ändern.

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