PKV stellt 750 Millionen Schulden glatt

Berater Top News von Markus Rieksmeier

Bis Jahresende können sich säumige PKV-Kunden entschulden, indem sie ihren Vertrag rückwirkend auf den neuen Notlagentarif umstellen. Auch Nichtversicherte können in diesen Tarif. Der Schuldenerlass kostet die PKV-Wirtschaft 750 Millionen Euro.

Seit August können die 144.000 Beitragsschuldner der Privaten Krankenversicherung einen Schlussstrich ziehen und sich vom größten Teil ihrer Schuld befreien. Das Verfahren ist durchaus einfach, denn rückständige Beiträge werden auf Antrag von zum Beispiel 500 Euro im Monat in den Notlagentarif zu 100 bis 120 Euro im Monat umgetauscht. Dadurch sinkt die Schuld im Beispiel um rund 80 Prozent. Der günstigere Notlagentarif gilt für alle Monate seit Beitragsrückstand; also auch wenn dieser seit einigen Jahren besteht. In diesen Fällen werden Versicherte durchaus um fünfstellige Beiträge erleichtert. Die Versicherer allerdings auch – nur umgekehrt. Nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) bedeutet der Schuldenerlass für die PKV, 750 Millionen Euro „mal glatt zu stellen“, zitiert das Blatt einen Sprecher des PKV-Verbands.

Die betroffenen, eigentlich begünstigten, PKV-Kunden mit Beitragsrückständen müssen sich aber beeilen und ihren Antrag auf Umstellung des PKV-Vertrags bis 31. Dezember beim Versicherer stellen. Sodann sind sie größtenteils entschuldet und im Notlagentarif zumindest bei medizinischen Notfällen oder Schmerzbehandlungen versichert und versorgt. Auch die derzeit Nichtversicherten, oft kleine Solo-Selbständige, können in ihre ehemalige PKV zurückkehren und den Notlagentarif nutzen; hier geht es um einen Neuanfang für 135.000 Betroffene. Bisherige Zahlungserleichterungen haben in der Vergangenheit nicht gegriffen. Im Gegenteil. Beitragsschuldner landeten bisher im PKV-Basistarif, der mit 610 Euro im Monat oft teuer ist als der „richtige“ PKV-Tarif. Und nur in extremen Mangelfällen wurde die Hälfte des Basistarif-Beitrags über die Grundsicherung oder Hartz IV übernommen.

Kunden informieren
Wenn die PKV sich ihre sozialpolitischen Verantwortung 750 Millionen Euro kosten lässt, sollten sich die Vermittler beteiligen. Auch wenn klamme Kunden nicht die Zielgruppe des Maklers sind; in seinem Bestand befindliche Kunden oder Bekannte seiner Kunden werden für Informationen zu einem Schuldenerlass dankbar sein. Viele klamme Kunden kommen wieder auf die Beine. Dabei hilft das „Gesetz zur Beseitigung sozialer Überforderung bei Beitragsschulden in der Krankenversicherung“, kurz Beitragsschuldengesetz. Aber nur bis 31. Dezember!

Foto: © SP-PIC - Fotolia.com