Honorar und Ausschließlichkeit passt schlecht

Berater Top News von Markus Rieksmeier

Das seit diesem Jahr in England geltende Provisionsverbot lässt sich nicht auf Deutschland übertragen, weil große Vertriebsnetze der Banken und Versicherer die Finanzberatung dominieren.

In Deutschland dürfen vorläufig nur unabhängige Berater auf Honorarbasis arbeiten. Da aber mehr als 60 Prozent der Berater in der Ausschließlichkeit von Versicherer und Banken tätig sind, sei eine „Koexistenz“ von Provision und Honorar besser geeignet. Dies stellt der englische Finanzspezialist Stewart Cazier jetzt in einem Gespräch mit der „Börsenzeitung“ fest. Für die Vertriebswege der Banken und Versicherer „stellt sich die Frage der Honorarberatung eher nicht“, so Cazier. Aus den Erfahrungen in England leitet er auch für die Bundesrepublik ab, dass vorläufig nur wenige Kunden zahlungsbereit sind, wenn es um Honorar für Finanzberatung geht.

Seit Jahresanfang bestünden laut Stewart Cazier noch drei Bezahloptionen für die britischen Kunden: ein festes Honorar, ein fester Stundensatz oder eine prozentuale Gebühr, die der Berater erhält. Die meisten Kunden würden sich für die prozentuale Variante entscheiden; dies ähnle dem alten Modell aus Provisionszeiten. Allerdings seien die Gebühren jetzt nicht mehr im Kleingedruckten versteckt, wird Cazier jetzt in der Börsenzeitung zitiert. Allerdings hatte er vor etwa drei Monaten in einem anderen Interview nach dem Provisionsverbot noch etwas anderes angedeutet. Die Honorar-Vereinbarung funktioniere, weil der Kunde beim Kauf „jede Menge Papiere und Formulare bekommt und auch nicht sonderlich an den tatsächlichen Kosten interessiert ist“. Auch auf der britischen Insel sei die Zahlungsbereitschaft der Kunden, wenn es um ein Beratungshonorar geht, eher gering.

„Jede Menge Papier“, wie Cazier es nannte, erinnert durchaus an das deutsche Modell, bei dem die Abschlusskosten seit einigen Jahren ebenfalls ausgewiesen werden – auf 60 bis 80 Seiten. Diesen Umfang haben Riester- oder Rürup-Angebote inzwischen erreicht.

Seite 1: Honorar und Ausschließlichkeit passt nicht
Seite 2: Ausblick für Deutschland

Foto: © QQ7 - Fotolia.com, London