„Es ging um Datenschutz, nicht um Portoersparnis“

Berater Top News von Matthias Hundt

Großer Unmut brach seitens der Makler über die inzwischen insolvente Assapp AG herein. Von Datenklau und versteckten Kosten war die Rede. Vorstand Marco Burkart widerspricht den Vorwürfen und erklärt, warum seine an sich gute Idee im Maklermarkt nicht funktionierte.

procontra: Herr Burkart, viele Makler äußerten sich wütend über die Zusammenarbeit mit Ihrem Unternehmen, der Assapp AG, genauer gesagt mit dem angebotenen ass-CRM-System. Können Sie die Aufregung nachvollziehen?

Marco Burkart: Eigentlich nicht. Und im Prinzip können Sie auch auf den Großteil dieser anonymen Kommentare komplett verzichten. Wir wollten mit unserem System ein gigantisches Problem für den Makler lösen und haben es nicht geschafft.

procontra: Welches Problem?

Burkart: Die datenschutzkonforme Übermittlung von Kundendaten an den Versicherer beziehungsweise Produktgeber. Ein normales Maklerbüro übermittelt im Regelfall 99 Prozent seiner Daten über E-Mail, ein Kommunikationsmittel, das völlig unsicher ist, da es genauso mitgelesen werden kann wie eine Postkarte. Und wenn darüber Kundendaten – teilweise die intimsten Angaben – übermittelt werden, dann hat der Makler ein gewaltiges Datenschutzproblem. Und dieses wollten wir mit unserer ePost-Funktion lösen.

procontra: Erklären Sie bitte kurz diese Funktion.

Burkart: ePost hätte den gesamten Informationstransport zum Versicherer – beispielweise Änderungsmitteilungen der Adresse oder Bankverbindung, Neuanträge oder Nachfragen – datenschutzkonform per Mausklick in die Wege geleitet.

procontra: Warum funktionierte diese eigentlich überzeugend klingende Idee nicht?

Burkart: (lacht) Es gibt leider das eine oder andere Mal eine gute Idee, die nicht funktioniert. In diesem Fall lag es daran, dass der Makler für dieses Thema überhaupt nicht sensibilisiert ist. Ein datenschutztechnisch sensibler Makler, der sich nicht strafrechtlich in irgendeiner Form belangen lassen will, wie er Kundendaten weiterleitet, hätte für diese Lösung seines Datenschutzproblems dankbar sein müssen. Doch die Mehrheit sah nur die Kosten. Wir konnten das Thema leider nicht richtig transportieren, weil es wie gesagt auch nicht als Problem angesehen wird. Die meisten wissen gar nicht, dass es ein Problem darstellt, Kundendaten unverschlüsselt per E-Mail zu versenden. Für das Datenschutzproblem herrscht im Maklermarkt gar keine Sensibilität. Das ändert sich vielleicht durch die öffentliche Diskussion rund um den NSA-Skandal.

procontra: ass-CRM ist also daran gescheitert, dass Sie mit der Flatrate für datenschutzkonformen Versand eine Dienstleistung mit anboten, die der Makler nicht bereit war zu bezahlen?

Burkart:
Korrekt.

procontra: Die Grundidee Ihres Systems erntete auch Lob, moniert wurde hingegen die Intransparenz, mit der die Leistungen in Rechnung gestellt wurden. Hier ist von nicht bestellten Leistungen, unerwarteten Abbuchungen und Gebühren die Rede.

Burkart: Das kann ich nicht nachvollziehen. Es hieß, es war unvorbereitet und ohne Informationen vorab. Das ist aber auch nicht richtig. Es gab Mailings und Online-Präsentationen zur ePost-Funktion.

procontra: Jeder Nutzer Ihres CRM-Systems konnte also ganz transparent im Voraus die Kosten ersehen?

Burkart: Selbstverständlich. Die Unzufriedenheit rührt meiner Ansicht nach aus der Tatsache, dass für etwas absolut Notwendiges Geld bezahlt werden sollte, wofür der Makler keinen Bedarf sah, da er sich mit dem Thema Datenschutz nicht auseinandersetzt. Hätten wir es geschafft, das Problem entsprechend zu transportieren, hätte es auch niemals diese Schelte über ePost gegeben.

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Foto: Assapp AG