Energie: Bund zieht die Daumenschrauben an

Sachwerte von Jörg Müller-Brandes

Mit seiner Zustimmung zur neugefassten Energieeinsparverordnung hat der Bundesrat grünes Licht für eine Verschärfung der energetischen Anforderungen für den Wohnungsneubau gegeben. Die Immobilienwirtschaft schäumt.

Der Bund nimmt Bauherren beim Energiesparen stärker an die Kandare. Künftig müssen neu gebaute Immobilien mit deutlich weniger Energie auskommen als bisher. Das Bundeskabinett segnete eine Neufassung der Energie-Einsparverordnung (EnEV) ab, die entsprechende Minimalstandards für Immobilien verbindlich festschreibt. Demnach reduziert sich der zulässige Primärenergiebedarf 2014 und 2016 in zwei Stufen um je 12,5 Prozent, die Anforderungen an die Dämmwirkung der Gebäudehülle steigen im Schnitt um zehn Prozent. Für bereits bestehende Immobilien ändert sich aber nichts.

„Sonntagsreden der Politiker“
Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen lehnt die Novelle ab: „Die Sonntagsreden der Politiker, für mehr bezahlbare Wohnungen sorgen zu wollen, werden in der Realität ins Gegenteil verkehrt“, kritisiert GdW-Präsident Axel Gedaschko. In Wahrheit werde der in den Ballungsräumen so dringend benötigte Wohnungsneubau noch teurer werden. „Damit rechnet sich der Neubau bezahlbarer Wohnungen für Wohnungsunternehmen kaum noch“, sagt Gedaschko und warnt vor möglichen Folgen. „Es wird weniger gebaut, und die Mieter müssen am Ende die höheren Kosten durch höhere Mieten mittragen.“

<article>Kritik an Energieeffizienzklassen
Ebenfalls kontraproduktiv ist aus Sicht der Wohnungswirtschaft die vom Bundesrat beschlossene Einführung von Energieeffizienzklassen für den Energieausweis, der bereits 2009 eingeführt wurde. Um diese Ausweise  leichter verständlich zu machen, sollen dort Energieeffizienz-Klassen angegeben werden, wie das etwa schon bei Elektrogeräten und Autos der Fall ist. „Hier soll Transparenz suggeriert werden, wo keine ist“, so der GdW-Chef. „Aus einer Effizienzklasse sind keine Rückschlüsse auf die warmen Betriebskosten möglich. Sie bringt den Mieter daher an dieser Stelle nicht weiter.“</article>

Kampf gegen steigende Nebenkosten
Die EnEV ist ein wesentlicher Hebel, mit dem der Staat die Energieeffizienz von Immobilien steigern will. Ein Großteil des Energieverbrauchs in Deutschland entfällt auf das Heizen und das Aufbereiten von Warmwasser, weshalb das Thema eng mit der Energiewende und dem Kampf gegen steigende Nebenkosten verbunden ist.

Foto: © Karin & Uwe Annas - Fotolia.com

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