DAK will Nachschlag

Versicherungen von Markus Rieksmeier

Die Krankenkassen machen im letzten Lebensjahr ihrer Mitglieder pro Sterbefall rund 19.000 Euro Verlust. Die DAK mit vielen alten Mitgliedern fordert jetzt einen Nachschlag aus dem Gesundheitsfonds. Die „junge“ TK ist dagegen.

Im letzten Lebensjahr verursacht ein Kassenpatient laut Bundesgesundheits-Ministerium durchschnittlich etwa 27.000 Euro Krankheitskosten, die die Krankenkassen für ihn aufbringen müssen. Aus dem Gesundheitsfonds erhalten die Kassen dafür aber nur knapp 8.000 Euro. Es gilt zwar gleiches Recht für alle Kassen; auch für die Techniker Krankenkasse (TK) mit vielen jungen Mitgliedern und auch für die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) mit vielen älteren Mitgliedern. Aber die Wirkung ist unterschiedlich.

Aber aufgrund der schlechteren Altersstruktur hat die DAK mehr Todesfälle. Sie legt also öfter drauf als die TK. Dies berichtet „Spiegel Online“ und lässt DAK-Chef Rebscher zu Wort kommen: Den Großteil der Kosten müssen wir also quersubventionieren“. Den Angaben zufolge rechnet Rebscher mit jährlich 150 Euro je DAK-Mitglied, mit dem es die Unterdeckung bei den Kosten der Verstorbenen mitfinanziert. Die TK habe nur ein Drittel der Sterbequote der DAK, mit entsprechend geringeren Unterdeckungen, die sich außerdem auf viel mehr Junge verteilen.

Volle Kostenerstattung im Sterbejahr gefordert

Nun fordert Rebscher, so der Bericht, dass die Kassen alle Krankheitskosten des letzten Lebensjahres ihrer Mitglieder aus dem Gesundheitsfonds erstattet bekommen. Dazu berichtet „Spiegel Online“ von einem Veto der Techniker Krankenkasse und zitiert deren Sprecherin: Durch einen „Vollausgleich der Kosten (…) würden negative Wettbewerbsansätze gesetzt und die Kassen müssten im letzten Lebensjahr nicht mehr auf die Ausgaben achten“. Dem halte Rebscher von der DAK allerdings entgegen, dass die Kassen im Sterbejahr kaum Einfluss auf die Behandlungskosten hätten.

Wenn man den Aussagen der DAK folgt, dann funktioniert der Risikostruktur-Ausgleich zwischen den Kassen nicht. Genauer geht es um den „morbiditätsorientierten Risikostruktur-Ausgleich“ (MorbiRSA): Dieses Begriffsmonster aus der Ministerialbürokratie der vormaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt beschreibt einen krankheitsanhängigen Verteilungsschlüssel. Vereinfacht gesagt soll der Gesundheitsfonds die Beiträge aller GKV-Mitglieder nach dem Prinzip „je kränker, desto mehr“ an die Kassen verteilen. Vor allem klamme Kassen haben dabei immer wieder Ärger mit der Aufsicht des Bundesversicherungsamtes.

Foto:© DOC RABE Media - Fotolia.com