Altersvorsorge mit Nachhaltigkeit

Berater von Carla Fritz

Riester-Rente für jedermann und Klimaschutzrente. Darüber wurde beim zweiten DIA-Forum in Berlin diskutiert, genauso wie über neue Kapitalanlagestrategien und grüne Geldanlagen in der betrieblichen Altersvorsorge.

Anhaltend niedrige Zinsen liefern immer weniger Anreiz zum Sparen. Gleichzeitig wirken sie wie eine verdeckte Steuer auf die Rücklagen für das Alter. Was ist zu tun – Kreditwirtschaft und Versicherer auf Lösungssuche. Die Wissenschaft steuert Ideen bei. Auf einem Forum des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), das sich als „Denkfabrik“ versteht, wurden unterschiedliche Ansätze diskutiert, verbunden mit Forderungen an die Politik.

„Aus risikolosem Zins ist längst ein zinsloses Risiko geworden“, sagte DIA-Sprecher Professor Dieter Weirich auf dem vom Institut initiierten Forum „Altersvorsorge mit Nachhaltigkeit“ in der Bundeshauptstadt.

Enteignung deutscher Sparer durch die gegenwärtige Niedrigzinspolitik: Schätzungen gehen hier von mindestens fünf Milliarden Euro aus, andere veranschlagen sogar bis zu 15 Milliarden Euro. Pro Steuerzahler sind das bereits beim untersten angenommenen Wert 250 Euro. Diese Zahlen nannte Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. „Sparer werden in eine Art Geiselhaft genommen und mit realem Vermögensverlust bestraft, wenn sie sichere Anlagen suchen“, sagte er. Mit der Kriseninterventionspolitik der Europäischen Zentralbank, sichtbar in historisch niedrigen Zinsen, sei jedoch lediglich Zeit gekauft worden. Die Krise könne jederzeit erneut voll zum Ausbruch kommen. Man müsse wieder zu geordneten Umständen mit einer entsprechenden Zinspolitik kommen, verlangte er.

Sparförderung auch in zinsarmen Zeiten
Der Sparkassenverbands-Chef sprach sich für die Verbesserung und den Ausbau der Riester-Rente zu einer „Vorsorge für jedermann“ aus. Förderbeiträge müssten erhöht und auf ein dynamisches System umgestellt sowie Anreize für junge Leute gesetzt werden, zum Beispiel mit einem Berufseinsteigerbonus.

Sparen attraktiver machen – trotz Niedrigzinsphase, seine Forderung an Politik. Eine verbesserte Sparförderung könne zum Beispiel durch Ausweitung der Einkommensgrenzen und die Zulagen bei den vermögenswirksamen Leistungen erfolgen.

Können nachhaltige Kapitalanlagen in der Altersvorsorge die Entwertung des Vorsorgekapitals durch Niedrigzinspolitik verhindern? – „Gezielt eingesetzt können sie zu einer Bereicherung im Rendite- und Risikobereich führen“, so Professor Henry Schäfer von der Universität Stuttgart unter Verweis auf Forschungsergebnisse.

Der Markt nachhaltiger Geldanlagen in Europa wird nach seinen Worten von Pensionsfonds bestimmt. In ihren Händen sind fast zwei Drittel aller grünen Geldanlagen in Europa. Das entspricht 3.222 Milliarden Euro. Insbesondere Großbritannien, die Niederlande und die Schweiz verzeichnen den Angaben zufolge hohe Anteile bei nachhaltigen Kapitalanlagen.

Pensionskassen im Nachtrab
Für 70 Prozent aller Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge in Deutschland sind grüne Geldanlagen „allerdings – noch – kein Thema“. Und das „obwohl Deutschland international als Vorreiter in Sachen Umweltschutz gilt“, viele Unternehmen selbst auf dieser Strecke aktiv sind und nachhaltig agieren. Auf diesen Umstand wies der Universitätsprofessor aus Stuttgart hin.
Für ihn erklärt sich „diese Zurückhaltung“ nicht zuletzt aus einem aktuell „eher geringen Wissensstand“ in Bezug auf nachhaltige Investments. Es mangele an qualifizierter Beratung in diesem Bereich. „Mehr Beratungsangebote werden gebraucht.“ Hilfreich könnten auch Plattformen für Best Practice sein.

Eine „Klimaschutzrente“ brachte Professor Dieter Flämig von Infraneu, Hauptverband für den Ausbau der Infrastrukturen und Nachhaltigkeit, ins Gespräch. Möglichst alle Erwerbstätigen sollten für diese ökologische Zusatzrente – eine Art „grüner Riester“ – gewonnen werden. Dabei müsse ein staatlicher Ordnungsrahmen gewährleistet sein, der die Interessen der Anleger schützt und gleichzeitig die zielgerichtete ökologisch-ökonomische Mittelverwendung absichert. Investitionen sollten vorzugsweise in Stromnetze, Geothermie, Elektromobilität, energetische Sanierung und kommunale Energieeffizienzmaßnahmen fließen.

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